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meine Reise durch Afrika

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Schweiz-Spanien live

Nach meiner Ankunft in Jo´burg wurde ich von Jörg am Flughafen abgeholt. Das Wochenende verbrachten wir im Wochenendhaus seines Cousins und spannten etwas aus und genossen Braai (grillieren). Am Montag kaufte Jörg seinen weissen Golf I und wir statteten einem weiteren Cousin einen Besuch ab. Am Dienstag zogen wir schliesslich in Richtung Süden los. Dank guter Beziehungen konnten wir vergünstigt zwei Nächte in einem guten Hotel in Durban logieren. Dank der vorzüglichen Lage am Meer, konnten wir während dem Frühstücken auf dem Balkon springende Delfine im Meer beobachten. Der Fussballmatch der Schweizer Nati gegen Spanien sowie das ganze Drumherum war sehr gut organisiert. Ich war richtig überrascht! Die Stimmung und das Feeling am Match war (auch für mich als Nicht-Fussballfan) hammermässig. Und dank dem Schweizer Sieg habe ich von Jörg sogar noch ein Nachtessen gewonnen... ;-) Wir ziehen nun weiter in Richtung Süden. In Port Elisabeth wollen wir auch den 2. CH-Match live sehen. Den 3. Match werden wir zugunsten der Drakensberge und einer Safari im Krüger-Nationalpark nicht live verfolgen. Für die Tickets werde ich wohl noch einen dnakbaren Abnehmer finden... Wer sie will, kann sie bei mir abholen! ;-)

staubig.ch geht in die nächste Runde

Meine Pläne gehen auf! Am 12. Juni 2010 breche ich in mein nächstes, wenn auch nur kurzes, Afrikaabenteuer auf. Mit WM-Tickets für die Vorrundenspiele der Schweizer Nati in der Tasche fliege ich direkt nach Johannesburg in Südafrika. Dort treffe ich mich mit Jörg - dem deutschen Velofahrer. Gemeinsam wollen wir während drei Wochen durch Südafrika reisen und uns etwas an die Fussball-WM gesellen. - Bafana, bafana! Afrika, ich komme wieder! Ich freue mich...

Kollekte der Diashow

Das grosse Interesse an meiner Diashow freute mich sehr. Der Aufwand hat sich aus meiner Sicht gelohnt. Allen Besuchern der Diashow danke ich herzlich für das Interesse sowie die wohlwollende Spende zugunsten des Wasso Hospitals. Die anlässlich der Diashow gesammelte Kollekte wurde der Watschinger Foundation zur Reparatur des Generators überwiesen.

Diashow

Endlich ist er da! - Der Termin für die Diashow steht. Nachdem ich meine Afrikareise etwas setzen lassen konnte, werde ich am Freitag, 12. Februar 2010, abends, im Pfarreiheim St. Maria in St. Gallen über meine Reise berichten und einige Bilder zeigen. Ich freue mich jetzt schon euch zu dieser Veranstaltung begrüssen zu dürfen - karibu sana! Weitere Informationen werden folgen.

wieder zurück in der grünen Schweiz

Nicht wie vorgesehen verbrachte ich meine letzten Tage meiner Reise in Nairobi. Der Ausgang war dermassen gut, dass ich einen weiteren Ausgang in Nairobi erleben wollte. Beim zweiten Ausgang machte ich dann Bekanntschaft mit einer Kenianerin und schliesslich kam ich nicht mehr weg von Nairobi… Zusammen mit Angela genoss ich meine vorerst letzten Afrikatage in Nairobi und liess es mir zum Abschluss noch ziemlich gut gehen. Bei einem feinen indischen Nachtessen verabschiedete ich mich am zweitletzten Abend von Jörg. Angela begleitete mich bis zum Flughafen. Alles andere als gerne stieg ich spätabends in den Airbus in Richtung Dubai. Nach einem sehr angenehmen Flug hatte ich in Dubai drei Stunden Aufenthalt. Vom grossen, sauberen, modernen Flughafen beeindruckt, realisierte ich, dass ich tatsächlich auf dem Weg zurück in die 1. Welt bin. Nach einem zweiten angenehmen Flug nach Zürich sowie einem der einfachsten Grenzübertritte wurde ich am Flughafen von Mami und Mary abgeholt. Am Greifensee trank ich in einer Gartenwirtschaft ein feines Bier aus dem Appenzellerland. Mit Romans Motorrad cruiste ich bei strahlendem Sonnenschein durch die saftig grüne und für meine Verhältnisse menschenleere Landschaft. Alles scheint hier gepflegt und sauber zu sein, die Verkehrsregeln werden eingehalten und die Sonne steht viel länger am Himmel als in Afrika… Ich genoss es, diese Eindrücke aufzunehmen und mit einem guten Gefühl zurück in der Schweiz zu sein. Zuhause bei Mami erwartete mich ein kleiner Apero (vielen Dank Andrea) sowie mein Openair-Ticket lag bereit. Nach einem kurzen Ausflug auf den Säntis begab ich mich stundenweise ins Sittertobel ans St. Galler Open Air. Krasse Gegensätze zu Afrika, wegen der vielen Freunden aber schöne Stunden!
Nun noch zwei Tage ausspannen, einleben, in die WG einziehen und dann am 01.07.2009 wieder zurück in den Alltag. Im Büro werde ich erwartet…
Am Schluss meiner Reise möchte ich mich nochmals recht herzlich bei allen bedanken, die mich auf irgend einer Weise unterstützt haben. Vielen Dank auch für das Interesse während meiner Reise sowie die vielen netten Mails und Gästebucheinträge! Ich hatte immer Freude aus der Schweiz oder von irgendwo aus dieser Welt zu hören.
Leider hat es mit den Bildern auf meiner Page während der Reise nicht geklappt. Ich hoffe bald einige Fotos präsentieren zu können. Eine Diashow werde ich zusammenstellen und den Termin rechtzeitig auf staubig.ch präsentieren.
Macheds guet und bis gli…
Patrik

Ausklang in Kenia

In Kenia habe ich die drei Stunden Fahrt nach Nairobi abgespult und auf einer Irrfahrt durch die verstopfte Stadt die Jungle Junction (Overlander-Treffpunkt) gesucht. Nach kurzer Tourorganisation liess ich meinen Habibi im Garten der JJ stehen und reiste mit dem Mt. Kenia-Guide nach Nanyuki, wo ich Jörg traf und von wo der Trekking auf den zweithöchsten Berg Afrikas losging. Bestiegen haben wir während unserer 4-Tage-Tour jedoch nur den Point Lenana (4985 M.ü.M.). Der Gipfel hätte noch 500 $ Parkgebühren extra gekostet und Jörg traute sich das Klettern nicht zu. Weil Start- und Endpunkt der Bergwanderung nicht der selbe waren, reisten wir von Chogoria mit dem Matatu zurück nach Nairobi. Jörg´s Tourenvelo wurde von einem Porter mit einem Matatu von Nanyuki in die pulsierende Hauptstadt gebracht. Leider hat der Alurahmen den Transport nicht unbeschadet überstanden. Das Oberrohr wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. Hoffentlich hält der Rahmen noch bis nach Südafrika – Jörg will bis zur Fussball-WM in Johannesburg sein und ich habe ihm gerade heute zugesagt, dass er auch für mich ein Ticket für ein Spiel besorgen soll. – Afrika ich komme wieder!!! – Inshallah!
Doch jetzt zu etwas weniger erfreulichem: Zurück in Nairobi musste ich mich um vieles kümmern. Meine Inserate fanden Anklang und so konnte ich praktisch meine ganze zum Verkauf stehende Ausrüstung verkaufen. Ich buchte einen Rückflug und brachte den Ausbau sowie die Kisten mit Inhalt zu einer Spedition. In 50 Tagen kann ich meine Ware in Zürich abholen… Und wie es mit meinem Habibi so ist, hat sich auf dem Weg zur Spedition noch ein Problem ins Bremssystem eingeschlichen. Bei der vorderen linken Bremszange verlor ich Bremsflüssigkeit und somit auch jegliche Bremswirkung auf sämtlichen Rädern. Notdürftig liess ich Habibi vor Ort reparieren. Die vielen Autosorgen sind trotz meiner diesbezüglichen Gelassenheit etwas mühsam… Leider habe ich kein grosses Vertrauen in meinen Habibi mehr. Auch in die Mechaniker und deren Preisgestaltung habe ich das Vertrauen verloren. Wird Zeit, dass sich ein Kenianer um Habibi und dessen gute Wartung kümmern kann! Trotz all dieser Problemchen ist mir Habibi sehr ans Herz gewachsen. Nun steht er leer im Garten des Camps und wartet auf seine Aushändigung am 24.06.2009. Ich werde morgen mit dem Bus nach Lamu fahren und meine letzten Tage in Afrika am Strand geniessen.
Ich komme also schon bald wieder nach Hause. Obwohl ich noch länger bleiben möchte, ist mir der bevorstehende Schweizer Alltag kein Graus. Vor allem freue ich mich auf Familie, Freunde, etwas Sport und Nanis Sauerkraut mit „Buurewürst“!
Afrika ich komme wieder (Fussball-WM 2010 in Südafrika bei/mit Jörg)! – Bafana, bafana!
See you soon in Switzerland!

Strand, Berggipfel und Safari in Tansania

Bei der eigentlich problemlosen Einreise nach Tansania wurden wieder Strassengebühren verlangt. Durch hartnäckiges in Frage stellen konnte die Gebühr auf einen Fünftel reduziert werden. Tatsächlich gab’s trotzdem eine offizielle Quittung.
Am Peponi Beach gönnten wir (Andrea und ich) uns einen vorgesehenen Schnorcheltag. Leider wurde wegen des Regens (es war Regenzeit) ein Chillout-Tag im wunderschönen Banda und wir lernten Sandra und Peter, zwei Overlander aus der Schweiz, kennen. Wegen Andrea’s Rückflug mussten wir zügig voran weiter in Richtung Dar es Salaam. Im Hafen des Friedens (Dar es Salaam) verbrachten wir Andrea’s letzten Tag in Afrika am Strand und endlich auch mal im Wasser. Tja, eine „Wasserratte“ bin ich halt immer noch nicht… Die Fahrt zum Flughafen wurde unglücklicher Weise zu einer stressigen Angelegenheit. Wegen Stau und suboptimaler Routenwahl hatten wir anstatt der vom Navigationsgerät vorgegeben 26 Minuten mehr als zwei Stunden. Das grosszügig bemessene „zu früh dort sein“ reichte bei weitem nicht aus. Nervös und unwissend wohin wir genau müssen kamen wir nach teilweise halsbrecherischer Fahrt sehr spät am Flughafen an. Ein Porter kam uns Eilenden entgegen und führte Andrea zum richtigen Schalter. Wegen dem späten einchecken war das Übergewicht kein Thema mehr… ;-) Für eine schöne Verabschiedung nach einem spannenden gemeinsamen Monat blieb keine Zeit. ;-( Ich wartete noch bis ich den Swiss-Flieger abheben sah und fuhr dann ohne gemütlich zurück ans Meer.
Zusammen mit Peter und Sandra begab ich mich am darauf folgenden Tag per Speedboot nach Sansibar. Gemeinsam leisteten wir uns einen Taxi für zehn Stunden und erkundeten einen Teil der Insel. Eine wahre Freude für alle Sinne war die Gewürztour. Von Ananas bis Zimt gab es alles zu sehen, riechen und schmecken. Das war eine wunderbare, willkommene erfrischende Abwechslung! Die nächste prickelnde Abwechslung bot uns ein schneeweisser Sandstrand mit glasklarem Wasser. Da wurde sogar ich zur Wasserratte! Gegen Abend schlenderten wir durch die engen Gässlein von Stonetown und genossen etwas Mythos aus 1000 und einer Nacht. Nach einem „Städtebummel“-Tag per Speedboot, Fähre und Daladala wieder zurück im Beach Ressort (Camping) endete der schöne Ausflug mit einem Bier an der Bar.
Wieder alleine und ohne das Ziel Kapstadt wollte ich mich für die Besteigung des Mt. Kilimanjaro vorbereiten. Beim joggen begann jedoch nach Kurzem das Knie wieder zu schmerzen (wie am Ras Dashen). Auch das neue Ziel „Kilimanjaro“ konnte ich nicht realisieren. Etwas ziel- und planlos viel ich ein „Vakum“ (nicht Loch – es ging mir ja nicht schlecht - ich hatte nur gerade keinen Halt und Antrieb…). Ich machte an Ort und Stelle ein paar Tage Badeferien und erholte mich von meiner Reise. Tönt komisch, ist aber so!
An der Strandbar lernte ich bei einem Bier und afrikanischen Beats Marium kennen, welche unweit des Strandes wohnt. Zusammen mit ihr verbrachte ich täglich etwas Zeit an ruhigen, schönen Stränden oder in der inoffiziellen Hauptstadt Tansanias, Dar. Erstaunlich war vor allem, was sie als Local für ein paar Schilling am Markt alles kriegte. Ich als Muzungu hätte für das selbe Geld etwa drei Tomaten erhalten…
Nach einer knappen Woche ausspannen am Meer konnte ich mich endlich aufraffen wieder etwas weiter zu ziehen. Gemütlich fuhr ich nach Lushoto, wo ich drei Tage von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt oder durch den Regenwald wanderte. Auf der Weiterfahrt in Richtung Kilimanjaro dann erneute Autoprobleme. Ich hatte das Gefühl, dass der Motor nicht mehr richtig zündete. Nach kurzem Schrauben und etwas Weiterfahrt strandete ich am Strassenrand der Hauptstrasse. Mit der nötigen Ruhe und Gelassenheit machte ich mich auf die Fehlersuche. Einen richtigen Fehler konnte ich nicht finden, trotzdem lief Habibi zum Schluss wieder. Leider war die Freude von kurzer Dauer. Rund 30 Kilometer weiter nördlich das nächste Aussetzen des Motors. Auch die zweite Fehlersuche brachte mir keine neuen Erkenntnisse… Nach dem Auswechseln einiger Teile schnurrte der V8-Motor dann aber glücklicherweise wieder. Nun wollte ich nur noch ins nächst beste Camp um den Landrover in sicherer und zuschauerlosen Umgebung nochmals zu inspizieren. Einen Fehler konnte ich dennoch keinen finden. Am Folgetag kam ich dann gut in Moshi an und erkundigte mich nach einer Kilimanjaro-Besteigung. Ich lernte Francis, einen lokalen Touroperator, kennen und entschloss mich nach anderen Vergleichsangeboten mit ihm den Kili zu besteigen. Einige Tage darauf startete ich mit Führer, Assistenzführer, Koch und drei Trägern zur anstrengenden, sechstägigen Bergwanderung. Entsprechend den verschiedenen Vegetationszonen durchwanderten wir auch verschiedene Wetterlagen. Feucht und nass im Regenwald, sonnig und angenehm warm in der Buschlandschaft sowie bitter kalt und steifer Wind auf dem felsigen und teilweise mit Schnee und Eis bedeckten Gipfel. Die ganze Crew leistete einen wirklich tollen Effort. Ohne irgendwelche Beschwerden bezwang ich am fünften Tag mit dem Assistenzführer das Dach Afrikas, den Uhuru Peak auf 5895 M.ü.M. – Emotional war das ein doch ziemlich bewegender Moment in dünner, kalter Luft! Die letzte Nacht auf 3300 M.ü.M. war dann sehr ungemütlich. Meinem Bauch passte etwas nicht und deshalb liess er mich nicht schlafen. Was ich machte und wo ich war lassen wir hier mal aus… Am nächsten Morgen konnte ich nichts essen (insbesondere nicht halten) und wollte so rasch als möglich zurück nach Moshi gehen. Nach einigen Stunden Schlaf im Mostel-Zimmer brachte mich Francis dann in den Spital. Wegen meiner weissen Haut wollte die SMS schreibende Krankenschwester vorweg 50 $ um überhaupt ein Dossier zu eröffnen. Francis meinte, dass diese 50 $ irgendwo in eine Tasche wandern würden und nicht von offiziellem Charakter sein. Er führte mich zum nächsten Spital. Ohne irgendwelche Gebühr nahm man sich im kleinen Spital sofort meiner an und begann mit den Untersuchen. Glücklicherweise keine Malaria sondern „nur“ eine Lebensmittelvergiftung. Tja, am Kili habe ich halt keinen Appenzeller getrunken… ;-) Nach drei Infusionen, einigen Stunden im Spitalbett und dem Wissen was mir fehlt, fühlte ich mich dann auch schon wieder etwas besser. Die ganze Behandlung mit allem drum und dran kostete weniger als die Hälfte der geforderten 50 $ im ersten Spital! Als Marium von meinem Spitalaufenthalt erfuhr, setzte sie sich selbstlos und kurzentschlossen in den Bus nach Moshi (ca. 7 Stunden Fahrt). Sie kam um mich gesund zu „peppeln“! Als ich wieder einigermassen gesund war und nur noch mit den Nebenwirkungen des Antibiotikas zu kämpfen hatte, lud ich sie als Dankeschön auf eine 4-tägige Safari ein. Dies lehnte sie dankend ab und fuhr wieder zurück nach Dar es Salaam. Sie meinte, sie müsse zurück zur Arbeit…
Weil in Tansania die Eintrittspreise der Nationalparks sündhaft teuer sind (Bsp. Serengeti pro Tag: Landi 200 $, 50 $ für mich, 35 $ Übernachtung), entschied ich mich für eine Safari welche Francis für mich arrangierte (Kosten alles inklusive: 140 $/Tag). Zusammen mit den beiden Französinnen Anne und Caroline, einem Koch sowie dem Fahrer setzte ich mich in den Safari-Landrover und los gings. Eineinhalb Tage in der Serengeti und einen Tag im Ngorongoro-Krater. Dank dem guten Auge des Fahrers und etwas Geduld unsererseits sahen wir alle Big Five (Elefant, Büffel, Löwe, Leopard und Nashorn) aus nächster Nähe. Insbesondere die Nashörner waren toll. Als der Fahrer die drei Grasfresser erspähte, konnten wir mit dem Feldstecher (danke René, Optik Gross) lediglich die Umrisse sehen und drei Nashörner ausmachen. Dank langem warten kreuzten die drei vom Aussterben bedrohten Säugetiere unsere Piste einige Meter vor unserem Auto! ;-) Die Tierdichte im Ngorongor-Krater fand ich einfach überwältigend. In der Serengeti war ich über die vielen Löwen (teilweise auf Bäumen) erstaunt. Nach drei Tagen Safari mussten meine zwei französischen Begleiterinnen ihre Heimreise antreten und ich verbrachte den letzten Safaritag mit zwei Spanierinnen im Manyara-Nationalpark. Dortiges Highlight waren die gähnenden und raufenden Flusspferde.
Zurück in Moshi wollte ich Claude und seine Familie im Wasso Hospital besuchen gehen. Wegen den hohen Parkgebühren (Transit) sowie den Autoproblemen entschloss ich mich die gut 10-stündige Fahrt mit dem Bus zu „geniessen“. Meinen Habibi konnte ich bei Francis’s Cousin Daud in Arusha abstellen. Nach einer Nacht auf dem Gästebett wurde ich am frühen morgen an den Busbahnhof chauffiert. Solange der Bus noch auf dem Asphalt fuhr döste ich. In der Serengeti war es dann aber zu schade um zu dösen. Der Bus fuhr mitten durch die Pampa auf einer Piste die eigentlich nur aus wenigen Fahrspuren bestand. Unglaublich, wo und wie wir durch den Nationalpark fuhren. Bei einem im Dreck steckenden Lastwagen wurde gestoppt und alle männlichen Passagiere halfen bei der Bergung. War spannend mitzuerleben, wie man einen feststeckenden Lastwagen mit Schaufel, Hacke, trockener Erde und Buschwerk zurück auf festeren Untergrund bringt. Kurz nach der Bergung setzte Regen ein und die Fahrspur wurde innert kürzester Zeit zu einem schmierigen Flusslauf. Mit viel Schwung und hochtourigem Motor quälte der Chauffeur den Bus durch den Matsch. Plötzlich kam der Bus ins Schleudern und rutschte schlussendlich quer auf der Fahrspur. Bevor der Bus zum Stillstand kam, glaubte ich, dass das Gefährt auf die Seite kippt. Nach meinem Empfinden fehlte dazu nicht viel… Mit sanfter Gewalt versuchte der Fahrer den Bus aus der misslichen Lage zu befreien. Da alle Gewalt nichts half, mussten die Männer aussteigen und mit anpacken. Ich fand es spannend und war froh, für einmal nicht alleine schaufeln zu müssen! ;-)
Nach fast 12 Stunden Busfahrt kam ich in Wasso an und wurde Leimany, einem Freund von Claude, abgeholt. Von Claude und Désirée sowie deren Kindern wurde ich freundlich empfangen und aufgenommen. Die Tage bei den Rieser´s vergingen wie im Flug. Claude führte mich durch den Spital welchen er managt, zusammen mit Désirée, Joel und Soraya besuchte ich den örtlichen Masai Markt sowie eine Masai-Burma. Mit „Büechli aluege“, Backgammon spielen und Gesprächen bei kühlen Bieren verbrachten wir die Zeit in der häuslichen Gemeinschaft. Zu Fuss wurde der Wasso-Hill bestiegen und zu meiner riesigen Freude konnte ich mit Claudes Bike - von Hafner & Gätzi ;-) - zwei super Biketouren machen. Wouw, die Trails hier müssen mit Vergleichbarem suchen! Ich weiss nun warum Claude das Biken in der Schweiz für etwas langweilig hält… Und am letzten Abend gab es dann noch einen grossen Pizzaplausch mit selbst gemachten Pizzas – mhh, war super fein – und anschliessendem Ausgang im Enterprise Entertainment, einer Dorfdisco die seines Gleichen sucht... ;-) Zurück nach Arusha flog ich mit einem 6-plätzigen Flieger vom Flying Medical Service. Ich durfte auf dem Sitz des Co-Piloten Platz nehmen und genoss den rund stündigen Flug mit einer Zwischenlandung am Lake Natron. Das Erstaunliche ist, dass der Flieger rund 20 Franken günstiger war als der Bus und das Transitticket für den Nationalpark auf dem Hinweg! In Arusha fuhr mich der Pilot sogar noch zu meinem Habibi in Daud´s Garten. ;-) Claude und Désiré, nochmals vielen Dank für die schöne Zeit sowie euere Gastfreundschaft!
Nach einer weiteren Nacht bei Daud brach ich dann auf in Richtung Mt. Meru, den fünfthöchsten Berg Afrikas. Francis organisierte den Trip für mich. Mit einem bewaffneten Ranger, einem Koch sowie einem Porter wurde der Viertausender (4561 M.ü.M.) bezwungen. Ich fühlte mich „puddelwohl“ und top fit. So bestieg ich am Nachmittag des zweiten Tages zusätzlich zum Nebengipfel (Little Meru) auch den Gipfel (total ca. 2360 Hm an einem Tag). Am frühen Morgen des dritten Tages wurde der Gipfel für den Sonnenaufgang nochmals bestiegen. Der Sonnenaufgang war wunderschön. Vom Peak aus gesehen geht die Sonne nämlich ziemlich genau hinter dem Mt. Kilimanjaro auf! ;-) Beim Abstieg „schwächelte“ der Ranger und war nicht bereit einen Umweg zu gehen. Deshalb schloss ich mich einem Engländer und dessen Ranger an und wanderte durch den Dschungel zu Tale.
Zurück in Arusha verkaufte ich meine ersten Ausrüstungsgegenstände an Daud bzw. einen Bekannten von ihm. Es wurde mir bewusst das meine Abenteuerreise langsam zu Ende geht - das machte mich etwas traurig.
Weil die Zeit tatsächlich läuft musste ich hrakahraka (schnell schnell) weiter in Richtung Nairobi. Jörg wartete in Nanyuki auf mich. Gemeinsam wollten wir den Mt. Kenia besteigen.
Bei der Ausreise aus Tansania lief ich dann in kleine selbst kreierte Probleme. Bei der Einreise habe ich die Strassengebühr auf einen Fünftel runter gehandelt. Die fehlenden 4/5 sowie einen Zuschlag wollten sie nun. Der unzimperliche Zöllner warf, bevor ich es realisierte, mein Carnet durch die verschlossenen Gitterstäbe in sein Büro. Er meinte, ich werde es wieder erhalten, wenn alle Gebühren bezahlt sind. Nach einem unterwürfigen Gespräch mit dem BigBoss erhielt ich das abgestempelte Carnet und die Ausreiseerlaubnis nach der Bezahlung von den offenen vier Fünfteln.
Die Einreise nach Kenia war wie schon beim letzten Mal erstaunlich einfach und freundlich. Doch diesmal wollte der (wohl korrupte?) Beamte auch eine Gebühr. Einmal Nachfragen und schwups die Gebühr war nicht mehr fälllig…

Habibi in Kenia verkauft

Angekommen in Kenia hatte ich das Gefühl, endlich wieder genügend Raum zu haben. Die Leute sind bei weitem nicht mehr so aufdringlich wie in Äthiopien. Kurz nach der Grenze wurde ich von Schleppern angefragt, ob ich einem Touristen eine Mitfahrgelegenheit bis Isiolo geben würde. Zwischen Moyale und Isolo verkehren keine Busse. So stieg John, ein englischer Backpacker, bei mir ein. Gemeinsam fuhren wir während zwei Tagen von Moyale auf wirklich sehr schlechten Pisten die 510 km nach Isiolo. Die Strecke ist nicht nur die schlechteste Piste, wahrscheinlich auch die gefährlichste auf meiner Reise. Bei Überfällen hat es hier auch schon Tote gegeben. Immer wieder suchen Banditen diese Gegend auf. Es wird geraten im Konvoi zu fahren. John und ich fuhren auf der holprigen und steinigen Piste mit abgrundtiefen Gräben ohne Konvoi. Zum Einen hätten wir einen Tag auf den nächsten Konvoi warten müssen und zum Anderen fahre ich gewöhnlich langsamer und vorsichtiger als die „Locals“. Ziel war es die Strecken Moyale-Marsabit (250 km) und Marsabit-Isiolo (260 km) möglichst ohne Halt durch zu fahren. Mit durchschnittlich rund 20 Stundenkilometern fuhren wir Kilometer für Kilometer südwärts. Plötzlich lautes metallisches Geschäpper liess meinen Puls explosionsartig ansteigen. Mein Gedanke: „Nur nicht in dieser gefährlichen Gegend stranden!“ Zum guten Glück kamen die lauten Geräusche nur von den Sandblechen. Aufgrund der unaufhörlichen Vibrationen ist eine von zwei M10-Schrauben gebrochen. Die Sandbleche sind linksseitig auf den Boden gefallen und planierten die holprige Piste. Ansonsten problemlos erreichten wir nach etwa 22 Stunden Fahrt Isiolo. Ich war erleichtert, endlich wieder Asphalt und sicheren Boden erreicht zu haben. John verabschiedete sich und stieg wieder auf den öV um. Ich fuhr in Richtung Mt. Kenia weiter. Zu meiner Freude und Überraschung hielt der Dachträger der Prozedur stand. Ebenfalls zu meiner Überraschung und zu meinem Missfallen riss das Dach bei der Regenrinne ein. Der verstärkte Dachträger konnte den Belastungen standhalten und diese ans Autodach weitergeben. Das Autodach war der neue Schwachpunkt und musste den Vibrationen nach geben. :-(
In Eldoret lernte ich Stephen, Sandra und Dani kennen und empfing Besuch aus der Schweiz. Andrea kam mich Besuchen um mit mir bis nach Daressalam zu reisen. Dani, ein in der Schweiz wohnhafter Kenianer, zeigte auf Anhieb Interesse an meinem Landrover und wollte diesen kaufen. Weil ich das Vertrauen in meinen Habibi für eine allfällige Rückreise an der Westküste etwas verloren habe und Dani die ganze Formalitäten erledigen will, entschloss ich mich mein Auto zu verkaufen. Ich habe ausgehandelt, dass ich meinen Landi noch bis Ende Juni fahren kann und ihn dann zurück nach Kenia bringen werde. Deshalb hat sich meine Reise(-route) nun verändert. Endziel ist nicht mehr Kapstadt sondern Eldoret. Ich werde anstatt nach Capetown zu fahren einfach noch in der erweiterten Umgebung reisen. Mein Dachzelt will ich Ende Juni in Nairobi verkaufen. Den Ausbau, den Zusatztank sowie die Camping- und Overlanderausrüstung werde ich nach Hause schiffen. Entsprechende Abklärungen und Inserate habe ich gemacht bzw. aufgegeben. Zumindest theoretisch ist alles organisiert. Für mich hat es den Vorteil, dass ich nicht in Kapstadt ankomme und mich dann noch um Habibi kümmern muss. Ihn dort auf die Schnelle zu verkaufen wäre wohl (wegen des Alters und der Linkslenkung) nicht möglich gewesen.
Einige Tage verweilten Andrea und ich bei Stephen und Sandra bevor wir in Richtung Lake Baringo und Lake Bogoria weiter zogen. Am Lake Baringo campierten wir direkt am Seeufer. Bei der Dämmerung kamen Flusspferde aus dem See und grasten nur einige Meter vom Habibi entfernt. – Wouw! Auf einem Boottrip sahen wir viele verschiedene Vögel und besuchten ein Dorf auf einer kleinen Insel. Am Lake Bogoria staunten wir ob der heissen Geysire und der vielen Flamingos. Weiter im Süden, in Narok, kurz vor der geplanten Safari zeigte Habibi wieder eine Schwachstelle. So musste ich die Kupplungsdichtungen wechseln lassen. Aus meinen Fehlern gelernt, suchte ich einen Mechaniker, handelte den Preis aus, fuhr auf ein Camp, besorgte mit dem Mechanikern im nächsten Ersatzteileshop die notwendigen Dichtungen und liess den Mechaniker an meinem Auto schrauben während wir campierten. Praktisch ohne Zeitverlust konnten wir am nächsten Tag im Masai Mara Nationalreserve auf Safari. - So macht man das richtig… ;-) Alleine im Park und nur auf den Hauptpisten sahen wir ausser einer Büffelherde nur verhältnismässig wenige Tiere. Als wir nachmittags ausserhalb des in ein Camp eincheckten lernten wir Edward, einen Masai, kennen, der uns gegen Entgelt führen würde. Er versprach uns, dass wir unter anderem Löwen, Giraffen und Elefanten sehen werden. Mit Edward auf Abendpirsch sahen wir dann tatsächlich Löwen, Geparden und einen Serval. Am nächsten Tag führte er uns an viele weitere Löwen, Geparden, Hyänen, eine Herde Elefanten, einen Giraffen und sogar an einen Leoparden. Es braucht viel Glück einen Leoparden zu sehen. Ich hatte die Hoffnung schon längst aufgegeben die seltene und scheue Raubkatze zu sehen. Bereits etwa fünf Mal waren wir die selbe Runde auf der Suche nach dem Einzelgänger gefahren. Plötzlich fanden wir den Leoparden keine sieben Meter vom Pistenrand entfernt im Schatten liegen. Wouw, das war richtig schön und ging unter die Haut! Ich empfand es als ein super tolles Erlebnis mit dem eigenen Auto auf Safari zu gehen und überall so lange bleiben zu können wie ich wollte. Die vielen Wildtiere aus nächster Nähe beobachten zu können ist unbeschreiblich schön.
In Nairobi suchten wir die Jungle Junction, ein Overlandercamp /-treffpunkt auf. Zu meiner Freude konnte ich meinen Habibi wieder neben Wolfi, dem Auto der Bündner, abstellen. Die Welt bzw. Afrika ist wirklich klein… ;-) In Nairobi fand ich endlich eine Garage, in welcher ich das Gefühl hatte, einen guten Service machen lassen zu können. Als ich in die Garage fuhr lief Habibi tiptop. Drei Kilometer nach dem Verlassen der Garage strandete ich erneut… Tja, das bringt mich nun nicht mehr aus der Ruhe. Einfach den indischen Garagisten anrufen und auf Hilfe warten. Den eingetroffenen Mechaniker liess ich den Fehler suchen und den alten, in der Werkstatt ersetzten Kondenser wieder einbauen. Habibi lief wieder… Zurück in die Garage, meinen alten Kondenser wieder ausbauen, einen neuen Kondenser einbauen und den Neuen kaputten entsorgen. Bin ja gespannt, was mich als nächstes erwartet!? Zwischen Nairobi und Mombasa stoppten wir in einem Sikh-Tempel wo wir uns kostenlos verpflegen und in eine andere Welt fern ab von Afrika eintauchen konnten. Der nächste Stopp war am Gate zum Tsavo West Nationalpark. Die Nacht verbrachten wir wenige Meter vom Gate entfernt bei einer Tankstelle. Wir ahnten nicht, welcher (Lastwagen-)Betrieb die ganze Nacht über herrschen würde. Bei Ankunft und Abfahrt am nächsten Morgen um 0600 Uhr war es ziemlich ruhig. Während der Nacht war unglücklicherweise mächtig viel los, es wurde getankt, geschraubt und diskutiert. Dass die Motoren ständig liefen, ist selbstverständlich. Mit grossen Augenringen und einem Schlafmanko fuhren wir in den Nationalpark auf Safari. Auf Anraten der Ranger ohne Führer dafür mit einer angeblich guten Karte. Kaum Tiere waren zusehen und wir wünschten uns Edward an unserer Seite. Enttäuscht folgten wir den immer schlechter werdenden Pisten bis diese nahezu unpassierbar wurden (auf der Karte aber ohne besondere Hinweise aufgeführt). Wegen einer weggespülten Brücke mussten wir einen Umweg durch die Büsche machen und fuhren so an Geparden und sogar einen Leoparden. Kurz vor der Dämmerung sahen wir dann doch noch einige Tiere und unsere Enttäuschung wandelte sich in Freude. Die Nacht verbrachten wir gegen ein Trinkgeld am Gate innerhalb des Parks und machten am nächsten morgen früh nochmals eine kurze erfolglose Pirschfahrt.
In Mombasa an der Ostküste angekommen gönnten wir uns ein zwei Tage auf weissem Sand unter Kokospalmen. Campieren in idyllischer Umgebung! Entlang dem Indischen Ozean fuhren wir südwärts in Richtung Tansania. Einfaches und freundliches Ausreiseprozedere rundeten die gute Zeit in Kenia ab. Ich komme wieder – schliesslich muss ich meinen Habibi zurück nach Kenia bringen.

Probleme in Äthiopien

Mit der Einreise nach Äthiopien wurde die Strasse wieder zur Piste, die Leute viel aufdringlicher und die Temperaturen wieder etwas kühler. Doch dies ist nicht alles. Erstmals gab es Probleme und meine Stimmung sackte ab. – Zum guten Glück das schöne Album mit den schönen Worten auf der ersten Seite (viele liebe Dank Murmi)! Im ersten Hotel in Äthiopien liess ich dummerweise nur sudanesische Vorsicht walten – das ist in Äthiopien, dem wieder ersten nicht islamischen Land, nicht genug. Bei Einbruch der Dunkelheit musste ich feststellen, dass meine Stirnlampe fehlt. Einer von den drei Jungs welche mich im Hotelinnenhof umscharten, musste sie gestohlen haben. Am nächsten Morgen suchte im ganzen Auto nach meiner Lampe und konnte sie nicht finden. Dem Hotelmanager berichtete ich vom Diebstahl, diesen interessierte das Vorgefallene aber nur wenig und er war mir nicht wirklich behilflich. Die drei Jungs wollte er nicht kennen und von einer Anzeige bei der Polizei riet er mir ebenfalls ab. Weil ich den Diebstahl nicht einfach so hinnehmen wollte und wusste, dass einer der drei Jungs meine Lampe haben muss, setzte ich kurzentschlossen ein Kopfgeld für den Dieb mit der Stirnlampe aus. – Wouw, das wirkte Wunder! ;-) Subito war die Polizei im Hotel und etwa fünf Personen bemühten sich den Dieb zu finden. Nach kurzer Zeit war der erste Junge gefunden und in den Hotelhof gebracht worden. Mit Schlägen mit einem Lederriemen wurde er in Anwesenheit der Polizei zum Reden gebracht. Nach wenigen, aber harten Schlägen war der Name des Diebes bekannt. Vor einer Wand kniend musste der Mitläufer im Hotelhof warten. Etwa ein Stunde später wurde der Dieb dann vorgeführt. Er gab sofort zu die Lampe gestohlen und bereits am Vorabend an einen Hehler weiter gegeben zu haben. Der Hehler war nicht auffindbar, angeblich weile er während des Tages in der nächsten Stadt. Ich müsse seine Ankunft abwarten und würde dann meine Stirnlampe zurück erhalten. Der Dieb, ein ca. 14-jähriger Junge, kniete ebenfalls im Hof. Verängstigt wartete er das weitere Geschehen ab. Vom Hotelmanager bekam ich einen Besenstiel gereicht und vom Polizisten bekam ich die Erlaubnis den Dieb zu schlagen. Hmm, obwohl ich eine Wolle auf den Junge hatte (insbesondere weil ich einen Tag in diesem Nest auf meine Stirnlampe warten musste) brachte ich es nicht über das Herz ihn zu schlagen. Stellvertretend schlug der Hotelmanager zu. Ich konnten den Schmerz beim Zusehen erahnen – schlussendlich war der hölzerne Besenstiel gebrochen… Am Abend erhielt ich dann von der Hotelmanagerin die Stirnlampe unversehrt zurück und bezahlte ihr das Kopfgeld.
Meine Reise führte mich weiter südwärts nach Bahir Dar an den Lake Tana und den Blue-Nile-Wasserfall. Das war wirklich schön! ;-) Auf dem Rückweg wieder nach Norden in die Simienmountains dann leider schon das nächste Problem. Was die schlimmste Befürchtung in der Schweiz war, stellte sich ein – ich fuhr einen betrunkenen Fussgänger an. Ich fuhr mit gut 60 Stundenkilometern Überland, die Strassenränder waren teilweise gesäumt mit Fussgängern und Vieh. Plötzlich und ohne sich umzuschauen begann ein auf der linken Strassenseite gehender, Holz tragender Bauer die Strasse zu überqueren. Sofort hupte ich, leitete eine Vollbremsung ein und wich nach rechts aus. Doch anstatt stehen zu bleiben wollte der Bauer noch vor mir die Strasse überqueren. Er rannte mir Wort wörtlich vor meinen Habibi. Ein dumpfer Aufprall vorne links, das Geschäpper des aufschlagenden Holzes und dann endlich der Stillstand meines Habibis im rechten Strassengraben. Im Spiegel sah ich den Mann auf der Fahrbahn liegen, kaum schaute ich aus dem Fenster stand der Bauer aber schon aus eigener Kraft auf. Mein Puls raste und ich war mit der Situation überfordert. Im Reiseführer steht und andere Overlander teilten mit, dass ein Autounfall wegen des Volkszornes in Äthiopien sehr gefährlich ist. Man sollte unbedingt nicht aus dem Fahrzeug steigen und direkt zur nächsten Polizeistelle fahren. Glücklicherweise hatte ich einen Polizisten mit im Auto (dieser fragte in Bahir Dar ob er mit nach Gonder fahren könnte). Innert wirklich allerkürzester Zeit war mein Auto von einer aufgebrachten Menschenmenge umgeben. Der Motor lief noch, den Gang liess ich eingelegt und ich war jederzeit abfahrbereit. Vom Fahrersitz aus öffnete ich die Türe hinten links, schnell liessen wir den Verletzten einsteigen, schlossen die Türe sofort wieder und ich fuhr in der Menschenmenge los. Direkt fuhren wir zum nächsten Polizeiposten. Der stark nach Bier riechende Bauer war glücklicherweise sichtbar nur leicht an einem Arm verletzt. Noch selten war ich derart nervös… Bei der Polizei schilderte der Bauer, dann ich und schliesslich der mitfahrende Polizist die Situation. Der Bauer wollte Geld von mir. Ich war nicht bereit Geld zu bezahlen. Ich zeigte der Polizei die Beulen an meinem Auto, erklärte mich sofort bereit auf Forderungen zu verzichten und den Bauern in den nächsten Spital zu bringen, Geld würde ich aber keines bezahlen. Nach langem diskutieren hätte ich die Sache mit 50 Birr (ca. Fr. 5.00) erledigen können. Ich wollte aber den Landwirt in ein Spital bringen und die Behandlung bezahlen. Der Betrunkene war damit nicht einverstanden und verschwand dann plötzlich… Der Polizei musste ich meinen Namen sowie die Autonummer aufschreiben und konnte dann wieder weiter. So hat mein Habibi nun drei neue Beulen und bekommt auf’s Alter noch etwas zu erzählen… – Glück im Unglück!
In Gonder besichtigte ich neben dem Schloss und der Kirche auch die Brauerei. Das war insbesondere wegen des nahezu europäischen Biergartens wunderbar. Es war wie ein kleine Insel ohne viele aufdringliche Äthiopier. Es ist nämlich richtig anstrengend mit den vielen Leuten. Die Kinder sagen wie bereits erwähnt immer „you“ und betteln nach irgend etwas. „Pen“, „Money“, „one Birr“ und „Give me“ sind meist die ersten und neben dem „you“ auch die einzigen Worte. Die jungen Männer geben vor irgendwelche Guides zu sein und versuchen ständig durch irgendwelche meist unerwünschten Dienstleistungen ein paar (oder auch viele) Birr zu erwirtschaften. Viele jungen Frauen arbeiten (nicht aufdringlich) im horizontalen Gewerbe.
Weiter nördlich wollte ich in den Simienmountains den Ras Dashen, den höchsten Berg Äthiopiens und 4. höchster Berg Afrikas, erklimmen. Auf der schlechten Piste machten sich meine vorderen Stossdämpfer mit schlagenden Geräuschen bemerkbar und der zurechtgemachte Dachständer (danke Marcel, Claude und Tobias) zeigte alle seine Schwachstellen – fünf alte Schweissnähte rissen… Fünf von zehn Stützen waren abgebrochen! Mit geschweisstem Dachständer und dem obligaten Scout gelangte ich in den Simienmountains-Nationalpark. Mit dem Landrover kaum im ersten Camp angekommen fanden mich bereits die sechs Amerikaner welche ich in Bahir Dar getroffen hatte. Sie arbeiten in den Simien für die Uni Michigan an einem Affen-Projekt. Sofort luden sie mich zum Nachtessen in ihrer Hütte ein und der Scout bewachte mein Auto. Nach einem guten Essen und einem geselligen Spielabend packte ich spätabends all meine Sachen für die bevorstehende 6-tägige Wanderung zum Ras Dashen. Am nächsten Morgen durfte ich wieder bei den Amerikanern frühstücken und kam in den Genuss eines äthiopischen Fulls (gekochte, zerdrückte Bohnen – gibt’s seit Syrien nahezu an jeder Ecke…). – Mhh, ich liebe Full und das war eines der Besten! Dann mein Gepäck auf das Maultier (durfte bis 45 Kilo abgeben) und mit dem kleinen Rucksack und bewaffnetem Scout auf die Wanderung. Der Scout sprach nur zwei Worte englisch: „thank you“. Der mit Wassersandalen besohlte Scout war topfit und ist sich die Höhe mehr gewohnt als ich. Ich glaubte, ihm problemlos folgen zu können… Tja, das war wohl der nächste Fehler. Auf gut 3000 Metern wanderten wir von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt. Von den Hochplateaus hatte man wunderbaren Ausblick auf die beeindruckende Bergwelt. Im den Camps baute ich jeweils mit Hilfe des Scouts und des Maultiertreibers das Zelt auf und kochte das Nachtessen. Jeden Tag traf ich in den Camps andere Touristen und fand immer irgendwie Anschluss. Während des Wanderns hatte ich wegen den Kommunikationsschwierigkeiten immer schön meinen Frieden. Weil der Scout wie gesagt nur „thank you“ sagen konnte, bedeutete es für mich etwa folgendes: „hallo“, „stopp“, „links“, „rechts“, „geradeaus“ und „gute Nacht“. Teilweise ging ich vor dem Scout und folgte dem Hauptpfad. Auf sein „thank you“ reagierte ich jeweils und schaute ihn an. Mit dem Arm zeigte er in die richtige Marschrichtung welche ich einzuschlagen hatte… Am vierten Tag erreichten wir den 4620 Meter hohen Ras Dashen. Weil ich viel zu schnell und nicht der Höhe angepasst marschierte wurde ich Höhenkrank. Ich wurde von Kopfweh, Müdigkeit, Übelkeit und Appetitlosigkeit geplagt. Beim Abstieg vom Gipfel bekam ich (glücklicherweise) zusätzlich auch noch starke Knieschmerzen. Glücklicherweise weil ich deshalb auf weiteres schnelles marschieren verzichtete und anstelle einer Schmerzmitteleinnahme meinen Abstieg (zwei Tagesmärsche) grossteils mit Maultier und Pickup in einen Abtransport umwandelte. Die Höhenkrankheit hätte ich sonst wohl (dummerweise) einfach ignoriert bzw. durchgewürgt. Wieder unten im Tal plagte mich meine Höhenkrankheit noch etwas und dazu gesellten sich erste Magenprobleme… - Welcome to Africa! Doch dann auch wieder Schönes: die Bündner und Jörg waren auch im selben Ort und ich lernte Jens und Magda (zwei Overlander mit einem super Toyo) kennen. Der Dorfmechaniker konnte mir mit meinen Stossdämpfern nicht helfen. So entschloss ich mich meine Route abzuändern und zurück nach Gonder zu fahren um dort die Stossdämpfer zu reparieren. Tja und dann, mein Habibi hat mich und meine drei äthiopischen Passagiere mitten in der Botanik stehen gelassen… Leider fand ich den Fehler nicht. Bitterlich musste ich feststellen, dass in Äthiopien nur „give me“-Mentalität herrscht. Niemand war bereit mir zu helfen. Ich stand da mit einem nicht funktionierenden Auto, Leute umscharten mich, Kinder bettelten mich an aber geholfen hätte mir niemand. Lastwagenchauffeure konnte ich mit Mühe stoppen und sie sagten eiskalt, dass das Abschleppen 1000 Birr (etwa zwei Monatslöhne) kosten würde. Nach langem fand ich jemanden, der mich abschleppte. Schneller als ich zuvor selber fuhr, wurde ich abgeschleppt. Mit etwa fünf Metern Abstand und ohne Bremskraftunterstützung rasten wir auf der Piste hupend durch die Dörfer. Den Unfall noch im Hinterkopf schwitzte ich nahezu Blut hinter dem Steuer. In Gonder angekommen dann der nächste Fehler: Abgeschleppt in die Stadt gekommen wurde ich sofort in eine Garage abgeschleppt. Mit einem nicht startenden Motor hat man die Hosen unglaublich weit unten… ;-( In der Garage demontierte man sofort meine Stossdämpfer und suchte nach dem Fehler. Der Mechaniker schraubte mit zwei Handlangern sorgfältig und mit gutem Werkzeug. Die losen Teile lege er ordentlich in eine Metallbüchse und schraubte alle Schrauben wieder an den richtigen Ort. Ich war beeindruckt von der Sorgfältigkeit und der Ordnung. Hätte er einen weissen Kittel statt einen blauen Overall getragen, hätte man meinen können es sei an Arzt mit zwei Operationsassistenten welche ihm das Werkzeug reichen. Der Mechaniker diagnostizierte eine geborstene Zylinderkopfdichtung. Ich selber hatte daran grosse Zweifel und suchte mir in der Schweiz Rat (vielen Dank Raphi, Domi und Cello). Der Mechaniker wollte noch vor dem Wochenende wissen, ob er die Teile in Addis Abeba bestellen sollte. Der Kostenvoranschlag sprengte das vorgesehene Reparaturbudget und ich wollte die Sache nochmals überschlafen. Die Bestellung löste ich nicht aus und bezahlte auch keine Anzahlung. Das etwas zerlegte Auto musste ich unverrichteter Dinge im Werkstatthof lassen. Weitere Hilfe suchte mir bei den CH-und DE/NL-Overlandern. Auch sie meinten, dass es sich eher nicht um eine defekte Kopfdichtung handeln würde. Mit Heiri wollte ich am nächsten Tag nochmals schulbuchmässig die Fehlersuche machen. Dies missfiel dem Mechaniker vollkommen. Er liess meine Teile abtransportieren und trat erzürnt gegen meine Ware. Nun war ich völlig aufgeschmissen und in einer wirklich ungemütlichen Situation. Im Gespräch wurde dann klar, dass der Mechaniker mir einen Gefallen tun wollte. Weil er sich seiner Diagnose sicher war bestellte er die teueren Ersatzteile (Zylinderkopfdichtung, Stossdämpfer, etc.) bereits in Addis Abeba und liess sie per Flugzeug kommen. Dass ich mein Auto selber bzw. mit Heiri wieder in Schuss bringen wollte passte ihm nicht. Er meinte, dass ich zumindest die Teile welche bereits unterwegs sind bezahlen muss. Eine Diagnose meinerseits liess er nicht mehr zu. Ganz offensichtlich war er in seinem Stolz verletzt, dass wir Weissen ihm nicht glaubten. Mir blieb nichts anderes als die Ankunft der Teile abzuwarten und die teure Reparatur ausführen zu lassen. Zusammen mit Jörg (ja, dem deutschen Velofahrer) quartierte ich mich in ein Hotelzimmer ein und wartete die Reparatur meines Habibis ab. Drei Tage warten mit gefühlsmässigem auf und ab. Schliesslich schrieb ich die Reparaturkosten gedanklich ab und besann mich wieder darauf, dass ich gesund bin und ich es eigentlich doch wunderbar habe. Mein einziges Ziel ist ja nur gesund und mit vielen Erlebnissen Ende Juni wieder nach Hause zu kommen – und dazu bin ich auf bestem Weg! ;-) Freundlicherweise warteten Heiri und Laura in Gonder bis mein Auto wieder fahrbar war. Es gab mir gutes Gefühl, zu wissen dass hilfsbereite Schweizer in meinem Rücken sind… Fast termingerecht lief mein Habibi im Werkstattinnenhof wieder an. Einerseits war ich glücklich, dass er wieder läuft, andererseits musste ich feststellen, dass bei der Reparatur meine Windschutzscheibe kaputt gemacht wurde und der Motor trotz der Reparatur nicht problemlos startete. Tja, ich wollte unbedingt südwärts und in Addis Abeba in einer Landrover-Garage einen richtigen Service machen lassen. Der Mechaniker garantierte für einwandfreie Arbeit und bot mir Begleitung bis zum nächsten grossen Ort (Bahir Dar, ca. 180 km) an. Weil ich dies für nicht notwendig hielt, lehnte ich dankend ab. Rund 70 km entfernt von Gonder, etwa zwei Stunden vor Einbruch der Dunkelheit dann wieder Zeit für einen Boxenstopp. Nur leider war weit und breit keine Boxe… Die Benzinpumpe verabschiedete sich mitten in wunderbarer Landschaft just in der Nähe (ca. 30 km) des Dorfes in welchem ich den Unfall hatte. Die Benzinpumpe liess sich auch mit klopfen nicht mehr zu einem mittelfristigen funktionieren reanimieren. So musste ich mich ins „Unfalldorf“ abschleppen lassen. Das war nicht unbedingt der Ort, in welchem ich mit meinem Landrover stranden wollte… Nun ja, so geschah es halt! Einen Mechaniker gab es im Ort nicht. Mit dem Satellitentelefon (danke Heiko) verständigte ich den Mechaniker welcher sich unverzüglich zu mir auf den Weg machte. Bei Dunkelheit legte er sich mit meiner geschichtsträchtigen Stirnlampe unter den Landrover und revidierte mit Erfolg die marode Benzinpumpe. Mit diesem kostenlosen Service machte er den Forengi-Reparaturpreis wieder gut. Spät in der Nacht und mit leerem Tank erreichte ich Bahir Dar. Zu meiner Erleichterung fuhr ich neben den Wolfi der beiden Bündner. Als ich am nächsten Morgen mit ihnen in Richtung Addis Abeba aufbrechen wollte, verlangte die Benzinpumpe schon wieder nach einem Anklopfen. Unter diesen Umständen wollte ich die gut 8-stündige Fahrt nicht in Angriff nehmen. Nun etwas schlauer wollte ich meinen Habibi lieber in der schönen Hotelanlage reparieren. Auf der Suche nach einer neuen Benzinpumpe durchstöberte ich etwa 15 Ersatzteilläden sowie eine Werkstatt und einen Occassionsteilehändler. Leider blieb ich erfolglos und die Bündner zogen ohne mich südwärts. Mit Hilfe des Sohn des Hotelmanagers konnte ich telefonisch in Addis Abeba eine neue Benzinpumpe bestellen welche am folgende Tag eintreffen sollte. Ich wusste, wenn die falsche Pumpe geliefert wird, muss ich mit dem Bus und der ausgebauten Benzinpumpe nach Addis gehen und selber nach der Pumpe suchen. Kaum hatte ich das Ersatzteil bestellt trafen Jens und Magda im Hotel ein. Wir beschlossen, dass wir, sofern die passende Pumpe wie zugesichert am Folgetag geliefert wird, zusammen durch den Awash-Nationalpark in Richtung Addis Abeba fahren werden. Zu meinem erstaunen wurde die richtige und zudem auch nigelnagelneue Benzinpumpe innerhalb von 24 Stunden geliefert. Auf dem Camp breitete ich mein Werkzeug aus, legte mich unter meinen Habibi und begann die neue Benzinpumpe zu montieren. Gross war die Freude und auch der Stolz, als ich meinen Habibi wieder auf allen acht Zylindern schnurren hörte! ;-)
Mit Jens und Magda gings dann in Richtung Süden weiter. Kurz vor Addis verliessen wir die asphaltierte Hauptstrasse. Leider hielten die äthiopischen Schweissnähte meines geflickten Dachständers der teilweise schlechten Piste nicht stand. Mitten im Nirgendwo waren wieder vier Streben abgebrochen. Mit zwei Spanngurten musste ich den Dachträger nach unten (ans Chassis und die Schrauben auf der Motorhaube - besten Dank Benzo) zurren. Im nächsten Dorf beim Türrahmenschweisser konnte ich zum Touristenpreis (viel zu hoch) den Dachträger wieder schweissen und verstärken lassen. Auch das ist in Äthiopien ziemlicher Stress: Chef-Schweisser ausfindig machen, Preis mit Schweisser aushandeln, Batterie abklemmen, Scheiben abdecken, Anweisungen geben, Auto immer im Auge behalten, Schweisser kontrollieren, die vielen umringenden Leute im Blick halten, … Auf einen versuchten Griff in meinen Hosentasche reagierte ich zornig. Auch Jens und Magda hatten Stress mit den vielen Leuten. Schliesslich musste die lokale Polizei mit Stöcken einschreiten und verteilte Prügel. Trotz allem trauten wir uns an diesem Abend erstmals wild in Äthiopien zu campieren. Direkt oben an einem 1000-Meter-Abgrund stellten wir die beiden Autos V-förmig mit den Schnauzen zusammen, damit wir uns gegen allfällige Massen an Leuten nur gegen eine Seite wehren müssen. Tatsächlich dauerte es nicht lange und 48 Leute standen bei uns mitten in der Pampa. Zu unserem Erstaunen wurde eine von Heck zu Heck in den Boden gezogene Linie akzeptiert und wir hatten so unsere eigenen drei Wände (2 Fahrzeugseiten und gezogene Linie), wenn auch mit grossen Fenstern und viel Zuschauern. Über Nacht regnete es, und so genossen wir unser Frühstück um 0630 Uhr, natürlich auch wieder mit Zuschauern, im Schlamm. Es war kalt und man brauchte etwa vier Schichten Kleider. Im Schlamm fuhren wir auf rund 2400 M.ü.M. los. Im einzigen grösseren Ort hoffte ich Benzin zu bekommen. Bereits seit wir Bahir Dar verlassen hatten, gab es kein Benzin mehr. Alle Tankstellen am Weg (sicherlich etwa 12) hatten entweder kein Benzin oder keinen Strom. Auch in diesem Ort hatte nur eine von drei Tankstellen Benzin. Man wollte mir jedoch nur 10 Liter verkaufen - Platz hätte ich für knapp 200 Liter gehabt! Obwohl ich einen erhöhten Literpreis bezahlen wollte, wollte man mir nicht mehr als 10 Liter verkaufen. Erst die Idee von Jens fruchtete. Mit beiden Fahrzeugen blockierten wir die Tanksäule, verhandelten und warteten auf mehr Benzin. Alles in allem schafften wir es am 140 Liter Benzin. Das war genug für die Weiterfahrt durch die Pampa in Richtung Addis. Auf schlechter Piste und stürmischem Regen fuhren wir über einen 3460 Meter hohen Pass. Auch Habibi merkte dort die Höhe… ;-) Schliesslich ging es dann auf der anderen Seite dann vom kalten Regen wieder bis auf etwa 800 M.ü.M. runter in heisse, staubige Steppe in den Awash-Nationalpark. In der beeindruckenden Landschaft sind die Leute nicht nur barfüssig, sondern auch barbusig. Männer tragen einen Lendenschurz und eine Machete oder eine Kalaschnikow. Frauen tragen etwas rockähnliches und Schmuck. Die zweite Nacht wildes campieren stand an. Komischerweise die ganze Zeit keine Leute – seltsam in Äthiopien! Bereits seit einigen Tagen hatte ich wieder Mühe meinen Habibi zu starten. Den Zündschlüssel liess ich jeweils den ganzen Tag im Zündschloss und der Motor lief von morgens bis abends (auch beim tanken, kurzen Spaziergängen, Einkäufen, …). Nun in dieser rauen Gegend schien der Motor nicht mehr anspringen zu wollen. Glücklicherweise sprang der Motor doch noch an. Abschleppen wäre hier gar nicht lustig gewesen. In Debre Zeit, südlich von Addis, wollte ich dann in einem Hotelgarten nach Rücksprache mit meinem Telefonjoker (besten Dank Raphi) den Anlasser wechseln (hatte einen alten Ersatz dabei). Ich als Bürogummi brachte die beiden Schrauben aber nicht auf… ;-( Am nächsten Tag führte ich meinen schon wieder angeschlagenen Habibi einem Mechaniker vor. Auf seine Anweisung schaltete ich den Motor aus und konnte ihn nicht mehr starten. Der Anlasser ging ganz in die Brüche und machte einen Kurzschluss. Schnell musste ich die Batterie abklemmen… Der Mechaniker konnte mit Hammer und Meisel die Schrauben lösen und den Anlasser tauschen. Zu meinem Unbehagen fehlte am defekten Anlasser ein Stück. Das Aluminiumteil und ein Kugellager müssen irgendwo in die Kupplungsglocke gefallen sein. Schon wieder musste ich Raphi (www.pfister-swiss.ch) anrufen und um Rat fragen. Die Teile waren nirgends auffindbar – hoffentlich sind sie bereits längst zermahlen…!? Erster Startversuch mit mulmigem Gefühl (die Teile sind ja noch irgendwo…) – wouw, Habibi läuft super an und klingt wunderbar! Endlich scheint er wieder richtig repariert zu sein. Hätte man anstelle der Zylinderkopfdichtung nur schon in Gonder die Benzinpumpe und den Anlasser ersetzt… Tja, ich habe auch wieder dazu gelernt!
Weil die bereits wieder eine Schweissnaht am Dachträger gerissen war und mir in Kenia 510 Kilometer schlechteste Piste bevorstehen, liess ich den Dachträger flicken und an allen Streben verstärken. – Seit langem hatte ich wieder einmal ein gutes Gefühl und glaube an eine Ankunft in Capetown! Doch wenn der Landi nicht spinnt, spinne ich. (Einer spinnt immer! gäll Papi!?) Ärgerlich, ich (Luftibus) habe irgendwo im Hotelgarten den Zündschlüssel verloren… Tja, weil ich mich halt kenne habe zum Glück noch zwei Ersatzschlüssel.
Weil ich schon länger als geplant in Äthiopien war, trennte ich mich von Jens und Magda und fuhr dann zügig in Richtung Süden. Gerne wäre ich noch länger mit ihnen weiter gefahren. Es war eine super Zeit.
Zwei Tage später habe ich in Moyale an der Grenze zu Kenia noch günstiges Benzin getankt, alle Ausreiseformalitäten erledigt und mich moralisch auf die zweitägige Fahrt auf schlechtester Piste eingestellt. Dann die schrankenlose Überfahrt über den Fluss nach Kenia. – Jambo, habari! – wurde ich freundlich empfangen!
Viele Probleme und Erlebnisse die ich nun hoffentlich hinter mir in Äthiopien lassen kann. – Ich werde wohl in den Himmel kommen – gäll Karin und Christian!?

wunderbarer Sudan und Einreise ins „youyou“-Land

Nach der Schifffahrt von Assuan nach Wadi Halfa musste ich mit den anderen motorisiert Reisenden einen Tag auf den Ponton mit den Fahrzeugen warten. Die Nacht verbrachten wir gemeinsam in einem der vier Hotels. Dazu ist allerdings zu sagen, das der Name Hotel mehr als gut gemeint ist. Die Unterkünfte heissen Lokanda und man kann einfach ein Bett belegen. Wenn man einen eigenen Raum wollte, müsste man ganz simpel alle Betten buchen. Ausser den durchhängenden, wer weiss wie viele Viecher beherbergenden Betten und der Lampe ist auch nichts weiter im Raum. In der Gemeinschaftsdusche gibt es nichts ausser kaltem Wasser, ein Lavabo sucht man überall vergebens. Nach dem Zähne putzen wird ins Duschkabäuschen gespuckt und die Zahnbürste wird unter der Dusche abgespült. Ich war also froh, am darauf folgenden Tag meinen, aus der jetzigen Sicht, luxuriösen Habibi wieder empfangen zu können. Weil das Auto auf dem Khan stand und dieser zuerst im afrikanischen Tempo entladen wurde, konnte ich erst bei Sonnenuntergang vom Schiff fahren. Alle anderen Fahrzeuge vom Ponton hatten die aufwändigen Formalitäten bereits längst erledigt und den Hafen verlassen. Aufgrund meiner langen Wartezeit wurde mir dafür die Hafen- sowie die Zollgebühr erlassen… ;-) In der Dunkelheit fuhr ich zu den Anderen (11 motorisierte Overlander aus der Schweiz, Deutschland, Holland und Frankreich), welche am Lake Nasser gemeinsam ein Lager bezogen hatten. Am nächsten Tag konnte auch ich sehen, an welch schönen Platz wir campierten. Doch dann die ersten SMS mit Meldungen über die Vorkommnisse rund um den sudanesischen Präsidenten. Gemeinsam hörten wir BBC (Afrika und World), kontaktierten die Schweizer Botschaft sowie die uns bekannten Kontaktadressen. Wir machten uns ernsthafte Sorgen und zumindest ich glaubte, dass die Afrikareise im schlimmsten Fall hier enden wird. Nach zwei abgewarteten Tagen machte ich mich mit den zwei Bündner (www.transafrika.ch.vu) auf in Richtung Süden. Gemeinsam fuhren wir die staubige und rüttelnde Piste südwärts nach Dongola. Unterwegs trafen wir nur freundliche und zuvorkommende Sudanesen an. Wunderbare potenzielle Nächtigungsplätze am Nil mieden wird der vielen Fliegen wegen. Sogar einige Kilometer entfernt in der Wüste wimmelte es von den mühsamen und komischerweise Juckreiz verursachenden Insekten. Just auf dem letzten Kilometer vor Dongola holten wir Jörg, den Velofahrer, wieder ein. Sichtlich gezeichnet von der schlechten Piste und der brütenden Hitze (48 Grad) bat er um eine mögliche Mitfahrgelegenheit durch die kommende Wüstenstrecke. Gemeinsame weitere Tage folgten also. Zusammen besichtigten wir die historischen Plätze auf dem Weg in Richtung Süden (Tempel Kawa, Jebel Barkal (Berg, Tempel und Pyramiden), Merowe-Pyramiden, Meroe-Pyramiden, Musarawat-Tempel). Im Gegensatz zu Ägypten kann man die Stätten hier alleine (ohne andere Touristen und ohne Backschischjäger) und in aller Ruhe geniessen und auch mal inne halten. Wir genossen es die wohl vorübergehend letzten Nächte unter freiem Himmel zu verbringen (in Äthiopien soll dies der vielen Leute wegen nicht mehr möglich sein). Bei Vollmond schliefen wir auf einer Sanddüne fast im Schatten der Meroe-Pyramiden. Wouw, das war wunderschön! ;-) Die darauf folgende Nacht verbrachten wir wieder unter freiem Himmel in der Wüste. Als wir bei Dunkelheit am Kochen waren kam ein Sudanese daher gelaufen. Weil auch wir die erfahrene Gastfreundschaft leben wollen, luden wir ihn zum Tee und anschliessend zum Essen ein. Wir kochten Spagetti mit einer Pesto-Sauce. Für den Sudanesen, er ist sich das Essen mit Brot und ausschliesslich der rechten Hand gewohnt, war der Löffel und die Gabel nur ein zusätzliches Erschwernis (Spagetti sind ohnehin schon glitschig und nicht mundgerecht….). Nach gescheiterten Versuchen schnitt ich dem Gast wie einem Kleinkind die Spagetti in mit dem Löffel essbare Stückchen *grins*. Auch die zweite Portion wollte er verschnitten haben, mit Messer und Gabel konnte er selber nichts anfangen… Am nächsten Morgen erwarteten Kinder der drei nahe gelegenen Hütten bereits unser Erwachen. Interessiert beobachteten sie unser Treiben. Als sie Migros-Murmeln erhielten war ihr Strahlen noch viel grösser! ;-) - Vielen lieben Dank allen für mich sammelnden Kinder und Mütter.
In Khartoum traf ich auf dem Camp die Bündner wieder. Bei den Derwischtänzen lernte ich den freundlichen Khalel kennen, der uns (Jörg und mir) etwas durch die Gegend führte. Er zeigte uns unter anderem einen zwar schönen Platz am Nil, für uns Europäer ist es doch nur schwer vorstellbar, wie sich die Leute in diesem angeschwemmten und weggeworfenen Müll (insbesondere Plastiksäcke und auffallend viele Rasierklingen) wohl fühlen können…!? – Offensichtlich fühlen sie sich aber wohl… Während die Frauen am Boden sitzen und plaudern waschen die Männer ihr Auto oder das Motorrad. Der Einfachheit halber wird (zumindest das Motorrad, aber auch bei Lastwagen gesehen) in den Nil gefahren und mit einem Petflaschenboden das Fahrzeug mit Wasser bespritzt. Das ist hier gang und gäbe… Hier ist noch zu erwähnen, dass man sich in Wadi Halfa daran störte, dass der Hund von Hans und Doris direkt aus dem Nil trank. In bestimmtem Ton wurde mitgeteilt, dass das Nilwasser getrunken werde und Hunde nicht daraus trinken sollten…
Von Khartoum verliess ich das Land in südöstlicher Richtung. Die Hütten am Strassenrand wurden wieder bedeutend einfacher. Nachdem ich in einem Dorf auf einen Tee eingeladen wurde, machte ich mit der Polaroidkamera ein Foto. Die Blicke und das Erstaunen war beeindruckend! Im Gegensatz zur Einreise war die Ausreise erstaunlich einfach. Tja, so langsam lerne und verstehe ich… Von den befürchteten Problemen blieb ich im Sudan gänzlich verschont. Die Sudanesen waren nahezu ausnahmslos freundlich und hilfsbereit.
Noch einfacher als die Ausreise aus dem Sudan war die Einreise nach Äthiopien. Erstmals ganz kostenlos und in nach nur zwei Büros waren bereits alle Formalitäten erledigt. Nun bin ich im „you-you“-Land. „you-you“-Land weil alle Kinder herbeiströmen wenn sie mich, einen Weissen, sehen. Weil sie aus dem Englischen nur „you“ kennen, ruft jeder „you“. Und weil in Äthiopien die Kinder gerade zu Hunderten kommen, tönt das etwa so: „youyouyouyouyouyouyou….“! Auf der Strasse lächeln mich die Frauen an und meinen ganz simpel auch nur „you“… ;-)

doch gemuetlich im Sudan

Die Reise in Richtung Sueden geht nach kurzem Abwarten doch voran! ;-) Das Strohfeuer scheint schon vorueber zu sein. Hier im Norden spuert man als Tourist auf jeden Fall nichts. Alle Leute sind sehr freundlich und offen. Endlich bin ich auch richtig in Afrika angekommen - die Leute sind schwarz und die Pisten teilweise wirklich schlecht und staubig. Nella, du verpasst doch etwas...

Backschischjäger in Ägypten

Während meinen zwei Relaxtagen in der Strohhütte am Golf von Aqaba erkundete ich Nuveiba und stiess dabei auf einen ägyptischen Landcruiser mit einem CH-Kleber. Weil ich interessiert um den Geländewagen schlich wurde ich vom Eigentümer, Sam, angesprochen. Sam ist Ägypter und mit Uschi, einer Schweizerin, verheiratet. Bei Sam logierte Louis, ein weiterer Schweizer der hier gerade seine Ferien verbrachte. Auch ich durfte mich bei Sam einquartieren. Zusammen mit Louis und Sam verbrachte tolle Tage und konnte ganz sanft in meinen Ägyptenaufenthalt einsteigen. Mein Reiseführer vom Rösslitor kündigte mir nämlich bereits an, dass die Ägypter für vieles gerne Backschisch (Trinkgeld) hätten und dazu nahezu neue Dienstleistungen erfinden würden... Im St. Katharinenkloster und beim Aufstieg auf den nahe gelegenen Mosesberg lernte ich den Backschisch-Fang dann aber selber kennen. Es ist unglaublich, welcher Touristenstrom sich durch die dreistündige Öffnungszeit des Klosters zwängt. Mir war’s auf jeden Fall zuviel Gedränge innerhalb der Klostermauern und so wollte ich bald auf den Mosesberg. Tja, das war ohne Führer nicht ganz einfach. Auch Geduld und gutes Zureden half nichts. Man wollte mich ohne Führer den einfachen, gut stündigen Aufstieg nicht alleine gehen lassen und ohne Bezahlung wollte kein Führer mit… So wartete ich und schloss mich dann drei Polinnen an, welche einen Führer angeheuert hatten, um den Einstieg mit ihnen zu passieren. Die Wanderung war eine willkommene Abwechslung. Die Aussicht vom Mosesberg war gut, aber nicht derart atemberaubend, dass ich noch auf den Sonnenuntergang warten wollte wie dies einige taten. Vor mir lag ja noch ein weiter Weg in Richtung Kairo…
In Kairo angekommen machte ich mich aufgrund einer besten Empfehlung (danke Karin & Christian) auf die Suche nach dem Taxifahrer namens Gamal. Obwohl ich seine Telefonnummer kannte, wollte ich ihn mittels der Beschreibung (Taxistand und Foto) finden. Obwohl mir dies in der 18-Millionenstadt (so glaube ich zumindest…) nahezu unmöglich schien, klappte es. Mit viel Freude am durchfragen habe ich Gamal gefunden! – Unglaublich nicht!? Fast schon selbstverständlich lud mich Gamal für die Dauer meines Kairo-Aufenthaltes zu sich und seiner Familie ein. Er half mir beim Besorgen der notwendigen Visas (Sudan und Äthiopien), nahm mich (auf meinen Wunsch) mit zum Gebet in die Moschee und führte mich durch Kairo sowie zu den Sehenswürdigkeiten. Wegen dem Sudanvisum musste ich auf die Schweizer Botschaft. Dort erfuhr ich vom Ägypten-Marathon… Zwischen Pyramiden in Giza und Ölwechsel in Kairo schob ich noch kurz den Marathon in Luxor – aber diese Geschichte ist ja bereits bekannt. Die Pyramiden, die Sphinx sowie die Teppichschulen und all die anderen Sehenswürdigkeiten sind schon eindrücklich. Ebenso spannend ist es aber auch sich irgendwo hinzusetzen und dem Treiben zuzusehen (egal ob dem Touristenstrom oder dem Leben in den staubigen Gassen der einfachen Leuten) oder sich in den Kairo-Stadtverkehr einzufügen. Obwohl das Hupen wegen des Lärms verboten ist, hört man eigentlich nur das Hupen. Hupen bedeutet mit der entsprechenden Gestik etwa: „Hallo“, „Hallo, ich bin auch da“, „Macht mal Platz“, „Fahr zurück“, Fahr zur Seite“, „Bleib stehen“, „ich mag dich“, „Ich mag dich nicht so“, … Es ist nicht ganz einfach zu merken, was nun eben gerade gemeint war. Auf jeden Fall hat sich der Griff zur Hupe auch bei mir rasch eingeschlichen. Mein Hupen bedeutet: „Hallo, ich mache auch mit“.
Gamal nannte mich oft Bruder. Er sagte das nicht einfach nur, er meinte dies auch so. Die Tage bei ihm vergingen wie im Flug.
Durch die Schwarze und die Weisse Wüste fuhr ich dann mit einigen Abstechern vom Asphalt in Richtung Süden. Tja, das Sandfahren macht Spass und lässt das Studieren gelegentlich in Vergessenheit geraten. So bin ich eines Morgens nach einer wunderbaren Nacht mitten in der Wüste weiter in den weiten Sand hinaus gefahren. Zwischen zwei Felsen fuhr ich auf dem Sand die Baharia-Senke halb hinunter als die Hirnfunktionen plötzlich wieder ihren Erhaltungstrieb aufnahmen. Plötzlich der Gedanke: „Stopp, ihr komme ich auf dem weichen Sand nicht wieder zurück!“ Es blieb nicht nur beim Gedanken. Ich kam tatsächlich nicht mehr zurück und war bereits halb unten. Zu Fuss watete ich durch den Weichsand hinunter und konnte dort alte Fahrspuren feststellen. Da ich kaum eine andere Wahl hatte fuhr ich die Senke hinunter und hoffte einen Ausweg zu finden. Orientierungslos und unsicher folgte ich diversen alten Fahrspuren welche im Nichts im Sand verschwanden. Ich wusste einzig, dass die rettende Asphaltstrasse irgendwo westlich von mir direkt nach Süden führt. Das dazwischen Unmengen von Weichsand und Felsen sind, befürchtete ich nicht nur – es war auch so. Als ich den Spiessroutenlauf (mit Schaufel und Sandblechen zum nächsten Fels oder zur nächsten Sanddüne) bemerkte, ging ich zu Fuss einen fels- und dünenlosen Weg in Richtung Westen suchen. Meinen Habibi hatte ich schon fast abgeschrieben und es blieb beim Suchen… Zurück beim Auto stärkte ich mich in der Hitze und konnte endlich über meinen Lapsus schmunzeln. Ich sah ein, dass es eigentlich egal ist wie lange ich auf die Strasse brauche. In der Schweiz werde ich erst im Juli erwartet, das Visum ist noch knappe drei Wochen gültig und ich hatte bei sparsamem Umgang noch Wasser für etwa 10 Tage. So liess sich Meter für Meter mit Schaufel, Sandblechen, 1.0 bar Luftdruck, Untersetzung und Sperre schon fast mit Gelassenheit zurücklegen. Obwohl es zwischenzeitlich nicht so mühsam war, war ich dann doch sehr erleichtert als ich endlich ein Auto auf der weit vor mir liegenden Strasse vorbei fahren sah. Widererwarten erreichte ich die Asphaltstrasse vor dem Sonnenuntergang. Zudem gewann ich die Erkenntnis, dass ich auch an diesem Tag wieder etwas gelernt habe… ;-) Die Tage, insbesondere die Sonnenuntergänge und die Nächte, in der Wüste waren sehr schön. Der Sternenhimmel oder ein kleines Feuer mitten im dunklen Nirgendwo ist unbeschreiblich. Ebenso faszinierend ist es, aus dem „Nichts-als-Sand“ in eine grüne mit Palmen bewachsen Oase zu fahren. Das Wasser ist Lebensspender unzählige Kilometer entfernt vom Nil.
In der zweit letzten Oase habe ich Jörg, einen deutschen Tourenvelofahrer, getroffen. Er will bis zur Fussball-WM in Südafrika sein. Weil er sich die letzten 350 km durch die Wüste nach Luxor ersparen wollte, luden wir sein Velo auf meinen Dachträger. Auf Anhieb verstanden wir uns sehr gut und was eigentlich nur eine Mitfahrgelegenheit hätte sein sollen wurde zu mehr als zwei Wochen gemeinsamem Reisen. Wir besichtigten Luxor, Idfu, Assuan und Abu Simbel. In Assuan wird der Nil gestaut. Der Lake Nasser bildet für Touristen die einzig offene Grenze von Ägypten in den Sudan. Das Schiff sowie der Ponton nach Wadi Halfa laufen nur einmal wöchentlich aus. Assuan ist deshalb das Nadelöhr für Afrikareisende. Jörg und ich waren eine Woche in Assuan und „warteten“ auf das Schiff. Es sammelten sich die eben erwähnten Afrikareisenden. So fanden mich die beiden Bündner (www.transafrika.ch.vu), traf Reisende von welchen ich bereits hörte und lernte weitere kennen. Wir alle haben das gemeinsame Ziel Südafrika.
Wie die Einreise war auch die Ausreise interessant. Die Tickets für das Personenschiff und den Ponton (quasi Fähranhänger an ein Frachtschiff) gibt es nicht im gleichen Büro (17 km entfernt!) und schon gar nicht am gleichen Tag (Samstag und Montag!) zu kaufen. Um das ägyptische Nummernschild abgeben zu können, muss man sich eine Bestätigung einholen, dass man unfallfrei und/oder übertretungsfrei gefahren ist. Diesen Fresszettel (etwa A7) gibt’s natürlich auch nicht bei der Verkehrspolizei wo man die Schilder mit etwa drei Formularen abgeben muss… Als ob es mir an Formalitäten noch nicht genügte, lief der Ponton für mich nicht wunschgemäss aus. Just einen Tag bevor der Ponton auslief erloschen meine Versicherung sowie die Fahrzeugzulassung. Mit Händen und Füssen und diversen Telefonen arrangierte ich, dass ich meinen Habibi bereits einen Tag vor meiner Ausreise in den Hafen und somit ausser Landes führen kann. Am Tag der Ausreise war die Beladung des Pontons mit den Fahrzeugen ein Kapitel für sich. Irgendwann kapitulierten die Ägypter und wir Europäer übernahmen das Zepter. Mit gemeinsamen Kräften schafften wir es alle Fahrzeuge (auch diejenigen mit geringer Bodenfreiheit und langen Überhängen (gäll Jakob und Doris…)) auf den Ponton zu fahren. Mit unendlicher Verspätung lief das Schiff um den Sonnenuntergang aus. Mit weiteren Secondclass-Reisenden verbrachte ich die 17-stündige Fahrt nach Wadi Halfa mit Schlafsack und Campingstuhl auf Deck. Das war schön und zudem einmalig…
Die Backschischjäger habe ich nun noch gar nicht richtig erwähnt. Sie sind es leider welche den Ägyptenaufenthalt etwas mühsam machen. Immer und überall wird man als Tourist nach Trinkgeld gefragt und man muss unnütze Dienstleistungen ständig abwehren. Überall wo Tourismus kein Fremdwort ist wird der Preis (z.B. für einen Tee oder Zuckerrohrsaft) verfünf- bis verzehnfacht. Um den bereits erhöhten Ausländerpreis (den man halt nach einiger Zeit kennt) muss man nahezu kämpfen. Die (Gast-)Freundschaft der Ägypter ist leider vielfach nur aufgesetzt und einziger Antrieb ist der Backschisch… Es ist in Ägypten deshalb schwierig sich vorbehaltlos auf fremde Leute einzulassen. Die freundliche Begrüssung geht meist als Backschischjagd aus…
Ohne Tourismus wäre Ägypten wohl ein wunderbares Land!

ungemuetlich im Sudan

Wunderbar bin ich mit dem Schiff von Assuan in Wadi Halfa (Sudan) angekommnen. Leider wurde der sudanesische Praesident in Denhaag angeklagt. Der Praesident hat angekuendigt sich an Europaern zu revanchieren. Gestern Abend war in Wadi Halfa bereits die erste Demonstration gegen die europaeischen Vorhaben. Im Fernsehen sind unschoene Bilder von Kundgebungen und hitzigen Reden in Khartoum zu sehen. Die Sitaution fuer Europaer ist derzeit deshalb ungemuetlich. Zusammen mit anderen Individualreisenden in Autos (6 Schweizer, 3 Deutsche, 1 Hollaender) warten wir ausserhalb Wadi Halfa gemeinsam die Sitauation ab, hoeren BBC Africa sowie BBC World und sind in Kontakt mit dem Schweizer Botschafter in Khartoum. Falls es fuer Touristen gefaehrlicher werden sollte, muessen wir per Schiff zurueck nach Aegypten und meine Afrikareise scheint dann in Gefahr zu sein. Mami, aktuell kein Grund zur Sorge - der wilde Campingplatz am Lake Nasser ist traumhaft...

Aegypten-Marathon

Auf der Schweizer Botschaft in Kairo habe ich vom Aegypten-Marathon in Luxor erfahren. Kurzentschlossen habe ich einen Flug nach Luxor gebucht und bin unvorbereitet und mit den alten Turnschuhen, welche ich zum baden brauche, in 3:30:37 den Marathon gelaufen. Mein waehrend dem Marathon gesetztes Ziel habe ich um eine gute halbe Minute verfehlt. Dass ich nicht persoenliche Bestzeit laufen wuerde und ich mit leichtem Muskelkater rechnen muss, war mir bewusst... Das Erlebnis, die Begegnungen und der abschliessende Galadinner waren toll. Der Muskelkater wird mich jetzt wohl noch einige Tage an den Marathon erinnern... :-)

eine Woche Jordanien

Nach meinem kurzen Aufenthalt in Amman fuhr ich in Richtung des Toten Meeres weiter. Unterwegs gönnte ich mir in den Bergen einen Badetag. Verschiedene Quellen führen dort heisses und kaltes Wasser. In einem Freiluftbad badete ich in verschiedenen warmen Becken, stand unter natürliche, warme Wasserfälle (der wärmste 65 Grad) und sass in einer Art natürlicher Dampf-Sauna in einer kleinen Höhle mit einer heissen Quelle. Die Nacht verbrachte ich am Toten Meer, dem tiefsten Punkt der Erde. Mein GPS gab - 386 Meter an. Wegen der Verdunstung und der Wassernutzung der Zuläufe sinkt der Wasserstand des Toten Meeres stetig.
Nachdem ich vor zwei verschlossenen Naturreservaten stand, fuhr ich nach Wadi Musa und besichtigte Petra. Auch hier wollte mich die Polizei in ihrer Nähe haben. Ich campierte direkt neben einem Polizeihäuschen. Ein junger Hund und ich schlossen rasch Freundschaft. – Kam mir vor wie Kevin Costner in „der mit dem Wolf tanzt“ und dachte an Boris… Gut behütet von Polizei und Hund verbrachte ich wohl die sicherste Nacht. Leider nicht die ruhigste, denn der Hund gab etwa fünf mal an! ;-( Noch vor dem Touristenstrom besichtigte ich Petra. Die Nabatäer war „zu bequem“ Häuser zu bauen und so wurde alles einfach in den Fels gemeisselt. Ist wirklich eindrücklich und einen Besuch wert! Auf dem Weg nach Wadi Rum fuhr ich in die 3. Polizeikontrolle. Der freundliche Polizist fragte mich nach meinem Vornamen, hiess mich in Jordanien herzlich willkommen und wünschte mir eine gute Reise – das wars… In Wadi Rum wollte ich erstmals so richtig in die Wüste und meinen Habibi auf den bevorstehenden Afrika-Einsatz testen. Doch noch bevor ich in den Sand fuhr, lud mich Mohammed, ein 12-jähriger Junge, zu einem Tee ein. Sein Vater, Eid, ein Führer in der Wüste, fragte nach meinen Reifen auf dem Dachstaender und wollte mir die Alten abkaufen. Die abgelaufenen Reifen wollte ich eigentlich ja schon in der Schweiz wechseln, hatte aber einfach keine Zeit mehr. Insbesondere weil ich dachte, mit einem Einheimischen an einen guten „Reifenwechsler“ zu gelangen, willigte ich ein. Eid bot mir an, mich von seinem Sohn Mohammed in die Wüste begleiten zu lassen und nachmittags zum Reifenwechsel zu kommen. Erstmals konnte ich im Sand fahren. Wouw, das macht richtig Spass! Mohammed bewies sich als guter Führer und nicht schlechter Autofahrer… Zusammen besuchten wir die Sehenswürdigkeiten der Wüste sowie seine Grossmutter, eine Beduinin, in ihrem Zelt welche uns verpflegte. Beim Reifenwechsel hatte ich so meine Bedenken. Ich war mir nicht sicher, ob der Mech tatsächlich schon einmal Reifen auf „nicht-Sprengring-Felgen“ gewechselt hatte… Auf jeden Fall sind meine neuen Reifen jetzt montiert und die Schläuche noch dicht. Die alten Reifen sind nun an einem Landcruiser für Touristenfahrten montiert. Eid bot mir an, bei ihm zuhause, in seinem Camp in der Wüste oder bei seiner Mutter übernachten zu können. Sehr gerne nahm ich das Angebot an und entschied mich sofort für eine Nacht bei einer Beduinin. Mohammed begleitete mich zu seiner Grossmutter. Es war bereits dunkel und die Fahrt durch den Sand gestaltete sich für mich Anfänger recht schwierig… Tja, für etwas habe ich ja eine Schaufel dabei! – Und das Schaufeln bei Nacht ist sowieso viel angenehmer ohne die heisse Sonne… ;-) Von der Grossmutter wurden wir mit einer stärkenden Gemüsesuppe und Brot vom Feuer genährt und gestärkt. Zum schlafen platzierte ich mich so, dass ich den Sternenhimmel sah. Wouw, das war schön! Der Schlafplatz erwies sich am nächsten Morgen als ungünstig. Die Grossmutter machte bereits bei aufgehender Sonne ein Feuer und der beissende Rauch zog direkt zu mir. Das ist nicht das, was man sich am frühen Morgen wünscht…! Zum Frühstück gabs dann die aufgewärmte Suppe des Vorabends und Tee mit Milch. Mohammed und ich machten eine weitere Wüstentour und zogen unterwegs für die Grossmutter mit dem Abschleppseil Baumstrunke aus dem Sand.
Dass sich die Ausreise bzw. die Einreise nach Ägypten mit dem eigenen Auto als mühsam erweisen wird, war mir bekannt. Deshalb informirte ich mich in Aqaba als erstes am Hafen über die Fähre und die Ausreise. Die Grenze zu Israel ist zwar offen, aber mit einem Hinweis im Pass auf einen Isrealaufenthalt komme ich nicht mehr in den Sudan. Obwohl der israelische Stempel auf ein Beiblatt gemacht wird, konnte ich nicht durch Isreal, weil aus dem Einreiseort in Ägypten dann der Israelaufenthalt hervorgeht. Um die rund 15 km Israel zu umfahren musste ich die Fähre von Aqaba (Jordanien) nach Nuveiba (Ägyten) nehmen. Da die Fähre angeblich um Mitternacht auslaufen sollte, hatte ich noch Zeit nach Aqaba zu gehen. Gestärkt und mit vermeintlich notwendigen Ägyptischen Pfund begab ich mich abends wieder zurück zum Hafen. Das Ganze Procedere von der Einfahrt in den Hafen bis zum verlassen der ägyptischen Grenze dauerte ganze 15 Stunden (ok, mit 65 km Fähre). Die Fahrt auf der Fähre sowie die Einreise nach Ägypten waren tatsächlich spannend. Mit der notwendigen Gelassenheit und ohne Zeitdruck aber kein Problem. Freundliche Polizisten halfen mir bei den meisten von so vielen notwendigen Schritten. Mein Habibi trägt jetzt neben den Schweizer Kontrollschildern auch ägyptische. Dazu habe ich den entsprechenden Fahrzeugausweis und natürlich habe ich jetzt auch einen ägyptischen Führerausweis! Ganz gratis war’s nicht… Auf jeden Fall bin ich jetzt in Afrika! *bigsmile* Nach etwa 30 Stunden ohne Schlaf wollte ich Ägypten einfach relaxen. In einem günstigen Camp logiere ich für rund Fr. 3.00 in einer Strohhütte direkt am Meer (ca. 2 Meter bei Flut). Bei Kerzenlicht (danke Monika und Peter) sitze ich vor der Hütte, geniesse das Rauschen des Meeres und viele Zeit die ich habe…

Afrika ich komme...

as salam malaikum
Mir gehts es nach wie vor wunderbar. Leider folgt mein Bericht ueber Jordanien erst in einigen Tagen. Auf jeden Fall werde ich diese Nacht mit der Faehre von Aquaba nach Aegypten fahren (muss Israel umgehen, der Sudan mag keine Hinweise auf einen Israelaufenthalt im Pass). - Dann bin ich in AFRIKA! ;-)
Die Fotos sind auf dem Postweg unterwegs in die Schweiz. Von dort kommen sie auf die Homepage. Die lokalen Internetverbindungen haben Muehe mit diesen Datenmengen... Ich bitte deshalb noch um etwas Geduld!
Und passt doch bitte auf im Schnee! Nachdem was ich so alles hoere, scheint es gefaehrlich zu sein in der Schweiz!?

Begleitet durch Syrien

Am Tag meiner Abreise in Aleppo wurde ich vom nicht arbeitenden Parkwächter Asis und seinem etwa 3-jährigen Sohn geweckt. Sie brachten mir zu meinem Abschied ein Frühstück („müesliähliches Bohnengeköch“ mit frischem Fladenbrot). Die beiden wünschten mir alles gute für meine Weiterreise und notierten mir nochmals ihre Telefonnummer. Mit einem Umweg ans Meer fuhr ich dann nach Hama, einer Stadt weiter im Süden. Mitten in Zentrum parkierte ich meinen Landi, packte meine Badesachen sowie frische Kleider und machte mich auf die Suche nach einem Hammam. Um mich orientieren zu können, suchte ich das Wahrzeichen der Stadt, ein grosses Wasserrad. Ohne Arabisch zu sprechen ist es nicht immer ganz einfach, die Antwort auf die gestellte Frage zu erhalten. So musste ich auch etwa drei Mal nach dem Weg fragen bis ein Englisch sprechender Mann, er heisst Nassir, sich ins Gespräch einmischte und mich fragte wohin ich wolle. Anstatt mir den Weg zu erklären, führte er mich zum gesuchten Wasserrad und erklärte mir auf dem Weg an was wir vorbei gehen. Beim Wasserrad angekommen lud er mich, obwohl er an diesem Abend bereits Gäste erwartete, zu sich zum Nachtessen sowie zum Übernachten bei ihm ein. Am folgenden Morgen telefonierte Nassir (Lehrer an der Universität Hama) mit seinem Vorgesetzten und bat diesen um einige Freitage. Nachdem er das Ok von seinem Chef hatte, bot mir Nassir an mich während vier Tagen durch Syrien zu begleiten und mir einen tieferen Einblick in sein Land zu geben. Dankend nahm ich diese Angebut an. Nassir führte mich an touristische (zB. römische Ruinen in Apamea und Palmyra) und aber auch ganz einfache Orte. So konnte ich mit Nassir beispielsweise in einem Restaurant in welchem nur Syrier essen, für weniger als Fr. 1.00 dinnieren. Am meisten beeindruckte mich, als wir nach knapp 200 Kilometern Fahrt durch die Wüste in Palmyra (Kleinstadt) ankamen und Nassir einen unbekannten Mann auf der Strasse nach einem Studienkollegen (vor 25 Jahren) fragte und uns der Unbekannte zu einem Haus führte, wo Nassir die Schwester seines Studienkolleges antreffen konnte. Wir erfuhren, dass der Gesuchte seit mehr als 20 Jahren in Katar lebe, ein Bruder jedoch noch in Palmyra wohnhaft sei. Dieser Bruder, welcher uns nicht kannte, kam uns schliesslich abholen und bot uns sein Haus für die bevorstehende Übernachtung an. Gastfreundschaft scheint hier einfach eine Selbstverständlichkeit zu sein! In Palmyra besichtigten wir dann die sehr gut erhaltene römische Ruinen. Es ist sehr eindrücklich, die Ausmasse dieser Bauten in Natura zu sehen!
In einem Vorort von Damascus logierten Nassir und ich während zwei Tagen in seinem sehr einfachen und primitiven Häuschen in einem Armenviertel.
Weil bei der ersten Fahrt in die Wüste der Dachträger bereits erste Schwächen zeigte, funktionierte ich mit meinem Bordwerkzeug (danke Raphi) eine herumliegende Gabel eines Kindervelos zu einer Dachträgerverstärkung um. Seit dem Schweissen ist der Dachträger wieder wie neu… ;-) Auf meinen Wunsch fuhren wir für die Besichtigung von Maalula, ein knapp 70 Km entferntes Dorf in welcher noch die Sprache Jesu (Aramäisch) gesprochen wird, mit dem Minibus. Ich wollte erleben, wie die Syrier reisen… Die Retourfahrt kostete keine Fr. 3.00! In der Hauptstadt Damascus führte mich Nassir ausgiebig durch die Stadt und erklärte mir vieles. Zusammen besuchten wir ein wunderschönes Atelier eines Künsterkollegen von Nassir. Weil die vielen Eindrücke und das Reisen recht anstrengend sind, gönnte ich mir im Atelier sogar einen Powernap (gäll guet Murmi!?). Im Süden von Syrien angekommen trennte sich Nassir schliesslich wieder von mir. Mit Minibussen machte er sich auf den Heimweg während ich zum Grenzübergang nach Jordanien fuhr und dort die Nacht im Dachzelt verbrachte um am nächsten Tag ausgeruht die immer aufwändiger werdenden Zollformalitäten zu erledigen.
Auch die Einreise nach Jordanien verlief problemlos. Als Tourist konnte ich an den stehenden Fahrzeugen vorbeifahren. Der erste Polizist nahm sich in freundlicher Art und Weise meiner an und erklärte mir Schritt für Schritt. Es ist nämlich nicht einfach damit getan, dass man den Pass und den Fahrzeugausweis zeigt… Nein, man hat in sechs Büros (Versicherung, Zoll, Kassenwart, Carnet, Visa und Passkontrolle) in drei verschiedene Gebäude zu gehen. Den Pass zeigt man insgesamt etwa 12 Mal und erhält dafür genau vier Formulare (wovon man zwei wieder abgeben muss), einen Stempel ins Carnet sowie zwei Stempel und ein Visa in den Pass. Kostenpunkt rund Fr. 105.00.
Ähnlich wie in Syrien sind auch in Jordanien die Leute sehr freundlich und suchen das Gespräch. In Jerash sass ich auf einer Stützmauer und lass im Reiseführer als ich von Saddam, einem jungen, sehr gut gekleideten Jordanier, angesprochen wurde. Nach einem kurzen Gespräch lud er mich auf einen Tee ein, welchen wir im Freien bei Bekannten von ihm tranken. Anschliessend führte er mich durch einen Teil der neuen sowie durch die alte römische Stadt. Ich glaubte schon ihm für diese Führung einen Bakschisch (Trinkgeld) geben zu müssen, als er mich fragte, ob ich Hunger oder Durst hätte und bei ihm zuhause noch etwas essen wolle. Im Haus seiner Eltern angekommen räumten seine Schwestern sofort das Wohnzimmer und ich wurde bedient. Bald kamen Saddams Brüder sowie Freunde und es wurde ein geselliger Männerabend in einem fremden Wohnzimmer. Die Nacht wollte ich dann im Dachzelt auf einem grossen, staubigen Platz verbringen. Das Dachzelt war schon hochgekurbelt als ein Mann an die Scheibe klopfte und in Arabisch (auch mit Händen und Füssen, jedoch ohne Englisch) meinte, dass er Wächter der nahe gelegenen Souvenirshops sei und ich sicherheitshalber in seiner Nähe schlafen sollte. Bei den Souvenirshops wurde ich dann von der Touristen-Polizei abgeholt und auf einen bewachten Parkplatz, gegenüber der Touristen-Polizei begleitet. Bei einem Tee und der Albumbesichtigung wurde mir erklärt, dass Jordanien zwar sicher sei, aber man mit den Touristen trotzdem sehr sorgfältig umgehe. Mein Landi, der zwischenzeitlich in Habibi umgetauft wurde ;-), war das einzige Fahrzeug auf dem Platz. Wir (Habibi und ich) erhielten also exklusiven Schutz mit sauberen Toiletten und das alles gratis… ;-)
In Amman (Stadt auf ursprünglich sieben Hügeln) blieb ich während einem Stadtrundgang unterhalb der Zitadelle für eine Weile stehen und genoss den Überblick. Schon bald kam Adum auf mich zu und begann mit mir zu plaudern. Stolz berichtete er mir, dass er Englisch lerne. Nicht lange ging es, bis seine Cousins Kaffe und Tee brachten. Keine zehn Minuten später brachten sie auf einem Servierbrett ein Nachtessen, welches ich mit Adum bei untergehender Sonne und Aussicht auf die Stadt im stehen essen durfte. Zusammen gingen wir dann hinunter in die Stadt wo sich unsere Wege nach einer Verabschiedung wieder trennten…
Es ist tragisch aber wahr, die vielen Einladungen zu einem Tee oder Kaffe und einem kurzen Gespräch kann ich hier gar nicht erwähnen, es waren so viele. Alleine bin ich auf meiner Reise nur im Auto oder wenn ich die Einsamkeit wirklich suche. Es ist sehr schön hier zu sein!
Und übrigens, den Link für den Video des Abschiedsfestes kann ich auf Wunsch per Email schicken. Ganz auf’s Netz stellen möchte ich den Film nicht…

wunderschoene Erlebnisse bis nach Aleppo

Wunderschöne Tage konnte ich bei Fatmir und seiner Familie in Albanien verbringen. Ich wurde behandelt wie ein kleiner König! Fatmir sorgte sich sehr um mich und zeigte mir viele schöne Plätze in der Region, eskortierte mich mit dem Auto beim joggen und liess gegen meinen Willen durch seine Tochter meine Joggingschuhe putzen. Dank seinen Beziehungen konnte ich sogar einen Zoll sowie einen Polizeiposten mit konfiszierten Autos besichtigen. Ja, jetzt weiss ich wo der ein oder andere schöne, gestohlene Mercedes steht… ;-) Auf meiner Weiterreise in Richtung Süden fuhr ich in eine Grosskontrolle der Polizei und wurde von den Beamten nach Schneeketten gefragt. Da ich diese für unnötigen Ballast hielt liess ich sie zuhause. Der Polizist meinte, dass ich Schneeketten haben muss. Ich hielt es für eine Schikane und machte mich in einem günstigen Moment aus dem Staub. Keine zehn Kilometer weiter wusste ich dann aber warum die Polizei ein Schneekettenobligatorium verhängte. Der Winter hielt Einzug und auf der Passstrasse standen kreuz und quer Mercedes älterer sowie neuerer Baujahre (die Albaner fahren praktisch nur Mercedes). Es war eine wahre Freude links und rechts vorbei zu kurven. Die Freude endete jedoch als die Strasse dann vollständig versperrt war. Während etwa vier Stunden ging gar nichts mehr. In einiger Entfernung pfiff die Polizei wild umher und versuchte das Chaos zu entflechten. Die Meisten nahmen es gelassen oder waren mit der Schneekettenmontage beschäftigt. Ich sass gemütlich auf meinem Fahrersitz, hatte mich mit einer Decke zugedeckt, hörte Musik (danke Etienne) und spielte Solitaire (danke Andrea und Flavia) und genoss es, das Treiben zu verfolgen. Als der Verkehr langsam wieder zu stocken begann entschloss ich mich einen Platz am Strassenrand frei zu schaufeln, den Landi zu parkieren, das Dachzelt hoch zu kurbeln und mich über Nacht einschneien zu lassen. Am nächsten Morgen war die schneebedeckte Strasse wieder frei und es machte Spass zu fahren. Für einmal war ich nicht ein fahrendes Verkehrshindernis, endlich konnte ich auch den linken Blinker zum überholen benutzen. Mit meinem permanenten Allradantrieb und dem Abschleppseil zog ich einige Mercedes wieder zurück auf die Strasse und mich so bei den hilfsbereiten Albanern revanchieren.
Bei der Ausreise nach Griechenland konnte ich aus mir unbekannten Gründen an einer etwa 1.5 Kilometer langen stehenden Kolonne vorbeifahren. Die Wartezeit verkürzte sich beträchtlich. ;-) Auch am griechischen Zoll hatte man Freude an mir und meinem Vorhaben. Nach dem Raphis Päckli besichtigt wurde konnte ich passieren. ;-) Nach Albanien freute ich mich auf Griechenland. Leider musste ich aber feststellen, dass die Leute zwar freundlich aber nicht so offen, hilfsbereit und gastfreundlich wie ihre nördlichen Nachbarn sind. In Griechenland war es schwerer mit Leuten in Kontakt zu treten.
In Alexandropoli übernachtete ich auf einem riesigen, leeren Parkplatz. Als ich am nächsten morgen wegen dem Lärm erwachte, stellte ich fest, dass ich mit mitten in einem Markt befinde. Links und rechts von mir waren Marktfahrer dabei Stände aufzubauen und ihr Gemüse auszulegen. Gestört ob meiner Anwesenheit hat sich niemand, es wurde mir nur mitgeteilt, dass wenn ich nicht vor Beginn des Marktes wegfahre ich bis zum Schluss des Marktes stehen bleiben müsse. Da ich ja nichts verkaufen wollte, packte ich meine Sachen und suchte mir einen anderen Parkplatz… Wegen einer zeitweise leuchtenden Kontrolllampe musste ich eine Landrover-Garage aufsuchen. Weil der notwendige Schalter nicht an Lager war half mir Dimos, der Garagist, im Internet eine Landrover-Garage in Istanbul zu suchen. So zog ich dann weiter in die Türkei. In Istanbul suchte ich dann die Landrover-Garage. Obwohl die Türken meist keine Fremdsprache sprechen fand ich schnell nahe an mein Ziel. Unweit vom eigentlichen Ziel entfernt fragte ich bei einer Garage nach der offiziellen Landrover-Vertretung. Der im Anzug gekleidete Chef nahm sich sofort meiner an und meinte mit Händen und Füssen, dass die Landrover-Vertretung zu teuer sei und er wisse eine bessere Garage für mich. Diesen Rat wollte ich ja eigentlich nicht. Ich wollte lediglich den Schalter in einer Landrover-Garage ersetzen lassen. Weil die Kommunikation recht schwierig war rief er jemanden an und gab mir sein Telefon. Auf Englisch konnte ich einer freundlichen Frau mein Anliegen erklären. Nach etwa vier Anrufen konnte ich dem Garagisten folgen und er führte mich zur Landrover-Garage wo er mir noch seine Visitenkarte gab und die Telefonnummer der freundlichen, Englisch sprechenden Frau notierte. Die elitäre Landroververtretung, welche mit ihrem bewachten Empfang mehr einem Museum glich, wollte mir nicht helfen. So alte Fahrzeuge würden sie nicht mehr reparieren… Der hilfsbereite Garagist bot mir dann sofort an, mein Auto in seine Garage zu bringen. Am nächsten Tag würden wir den Landi zur Reparatur in die Garage seines Kollegen bringen und ich dürfe für diese Nacht zu ihm kommen. Gerne nahm ich dieses Angebot an. Die freundliche, Englisch sprechenden Frau entpuppte sich kurz darauf als die Ehefrau des Garagisten. Statt der einen Nacht war ich drei Tage bei Timur und Lily sowie deren Töchtern zu Gast und mein Landi wurde in der wohl besten Landrovergarage Istanbuls während einem Tag von drei Mechanikern für ein Trinkgeld auf Vordermann gebracht. Kaum hatte ich Istanbul verlassen hatte ich bereits das nächste schöne Erlebnis. Weil mir geraten wurde aus Sicherheitsgründen bei besetzten Tankstellen oder der Polizei zu übernachten, fragte ich irgendwo in der Pampa einen Tankwart ob ich auf seinem Platz nächtigen dürfe. Die Flinte auf seinem Ladentisch ermutigte mich nicht sonderlich… Trotz Sprachproblemen willigte der junge Kurde sofort ein und lud mich zum Tee ein. Ich offerierte Haselnussmakkaronen (danke Murmi). Weil er glaubte, dass ich in meinem Dachzelt wohl frieren würde, bot er mir an bei ihm in seinem Kabäuschen zu nächtigen. Dankend lehnte ich ab und zog die Ruhe im Dachzelt vor. Am nächsten Morgen durfte ich mit dem Tankwart und zwei weiteren Kurden Rührei, Brot und Gemüse zum Frühstück essen. Das Rührei wurde direkt mit Brot aus der in der Mitte stehenden Pfanne gegessen. Die Türkei betrachtete ich eigentlich nur als Transitland. Umso schöner war es diese Gastfreundschaft und Herzlichkeit zu erfahren. Die Einreise nach Syrien war wegen vielen Formalitäten etwas schwieriger als die bisherigen. Aber auch diese Einreise war problemlos. Schwieriger war es in Aleppo das Hotel zu finden. Nur wenige sprechen hier eine Fremdsprache und so war ich auf einen vorausfahrenden Taxi angewiesen. Im schicken und teuren Hotel fühlte ich mich nur mässig wohl. Ich wurde als noch reicher betrachtet und das passte mir nicht wirklich. Einzig am westlichen Standard im Badezimmer hatte ich so richtig Freude! Seit der einen Hotelübernachtung logiere ich in Aleppo in meinem Dachzelt auf einem bewachten Parkplatz und habe mich mit den Parkwächtern angefreundet. Zusammen trinken wir Tee und versuchen uns zu unterhalten. Nachdem ich in einem Wasserpfeifen-Shop einen Syrier kennen gelernt hatte, nahm er mich mit in den Ausgang. Dort wollte man mir nach meiner Konsumation viel zu viel Geld abnehmen. Weil ich nicht einverstanden war umlagerten mich fünf Typen, hielten mich mit „sanfter“ Gewalt zurück und versuchten mich einzuschüchtern während der Syrier abrauschte. Es dauerte eineinhalb Stunden bis auch ich das Lokal verlassen konnte. Bezahlt habe ich 10% des Geforderten. Angst hatte ich keine, trotzdem war ich aber doch froh wieder heil zurück beim Auto auf dem bewachten Parkplatz zu sein. Üblich sind solche Vorfälle hier nicht. Hatte wohl einfach Pech und falle auf wie ein bunter Hund…

erstes Ziel in Albanien erreicht

Meine Reise ist problemlos angelaufen. Bereits habe ich Österreich, Slowenien, Kroatien, Bonsnien und Montenegro hinter mir. Nach knapp 1´500 km mehr oder weniger guten Strassen befinde ich mich aktuell ich mich in Koplik, Albanien, bei Fatmir und seiner Familie. Bei ihnen darf ich den Jahreswechesel verbringen und werde so richtig gemästet... Die Gastfreundschaft dieser Leute ist einfach überwältigend! Die Grenzübertritte verliefen fast beängsitgend einfach. Vorallem liess man mich nicht warten. Bei der Einfreise nach Kroatien wurde das verdeckte vordere Kontrollschild beanstandet. Nach der Erklärung, dass ich nach Afrika will war das dann aber Ok. Der bosnische sowie der montnegrische Zöllner wollten über die Verwendung der vier neuen Reservereifen unterrichtet werden. Auch sie sahen sofort ein, dass es für einen Afrikatrip wohl neue Reifen braucht... Bei der Einreise nach Montenegro hatten die Zöllner und Polizisten am tollen Fotoalbum freude. Nach der Kontrolle folgte eine Einladung zu einem Tee im Wärterhäuschen. Etwas Smalltalk und ein paar Fotos folgten. Als ehemaliger Kollege hat man da halt noch so seine Vorteile... ;-) Das Fresspäckli von Raphi, Sandra und Päsci scheint etwas auf sich bzw. in sich zu haben. Dieses, und nur dieses, musste ich bereits drei mal zeigen. Beim ersten Öffnen an der Grenze wars selbst für mich eine Überraschung. - Da hättet ihr mir eine schönes Ei legen können! ;-(
In Bihac in Bosnien gönnte ich mir nach einer langen Autofahrt (teilweise im Tiefschnee) ein Bier in einer Bar. Interessiert folgte ich dem Geschen und fand bald Anschluss zu ein paar Jungs. Als ich gerade aufbrechen und mir einen Schlafplatz suchen gehen wollte, wurde ich von weiteren Jungs angespochen. Schliesslich wurde ich von Mirza zu sich eingeladen und ich konnte bereits eine kalte Nacht in einem warmen Wohnzimmer verbringen. Nach einem üppigen Frühstück gabs noch einen Haarschnitt im Salon von Mirza´s Mutter und schon ging die Reise weiter.
So, nun widme ich mich wieder meinen Gastgebern und wünsche euch allen einen guten Rutsch ins 2009...

Abschiedsfest

Planmaessig, jedoch bereits mit afrikanischer Verspaetung, bin ich am 27.12.2008 ab meinem Abschiedsfest los gefahren. Ein wunderschoenes Abschiedsfest habt ihr mir bereitet. Es ist ein super Gefuehl mit so vielen guten Freunden im Ruecken auf eine solche Reise starten zu koennen! Vielen herzlichen Dank an Mami, meine Tantis, Nina und Marina, Etienne und Flo, Hugo und Eduardo, Roman und Mirj, die Dessert-Spender und alle Gaeste! Ganz besonderen Dank an Raphi und Paesci fuer den naechtlichen Einsatz an meinem Land Rover. - Sie schlossen das Batterietrennrelais auf dem Kirchplatz kurz vor der Abfahrt an! ;-)
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